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Auch dießmal war ſein Schlummer höchſt auf⸗ geregt. 5 Vor allen Dingen ſah er die ſchönen Schwim⸗ merinnen von geſtern wieder; nur endeten ſie, wie die Sirenen vom Cap Circe, als Fiſche und hielten, die Eine eine Leier, die Andere einen Cyſtus, kurz Alle irgend ein Inſtrument in der Hand, womit ſie eine bezaubernde Stimme voll von Verheißungen der Liebe begleiteten; aber der Chevalier, der in den mythologiſchen Traditionen des achtzehnten Jahr⸗ hunderts eingewiegt war und die Gefahr eines ſol⸗ chen Concerts kannte, wandte ſeinen Kopf ab und ſtopfte ſich wie Ulyſſes die Ohren zu. Dann landete er; wo? wußte er nicht; ohne Zweifel in Thebä oder in Memphis; denn auf ſeinem Weg ſah er rechts und links auf marmornen Piedeſtalen jene Ungeheuer mit Löwenleibern, aber Frauenbrüſten und Köpfen, Symbole der Weisheitsgöttin Neith, zuſammengekauert, welche das Alterthum mit dem Namen Sphinx getauft hat; nur waren dieſe Sphinxe, ſtatt wie ihre Piedeſtale von Marmor zu ſein, lebendig, obſchon an ihre Plätze gefeſſelt; ihre Augen öffneten und ſchloſſen ſich, ihre Brüſte hoben und ſenkten ſich, und es wollte den Chevalier be⸗ dünken, als bedeckten ſie ihn mit einem Blick der Liebe. Endlich erhob eine von ihnen mit Anſtren⸗ gung die Tatze und ſtreckte ſie gegen den Chevalier aus, der, um die Berührung zu vermeiden, einen Sprung auf die andere Seite machte; nun aber erhob eine zweite Sphinx ihre Tatze, und als die andern Sphinxe dieß ſahen, thaten ſie Alle zuſam⸗ men daſſelbe.


