143
Einige Schritte von dem Haus ſang ein im Gebüſch unſichtbarer Vogel; es war der Bülbül Oceaniens, der Liebesvogel; der bewundernswürdige Tui, der nur wacht wenn Alles ſchläft, nur ſingt wenn Alles ſchweigt.
Der Chevalier, der ſich auf ſeinen Ellbogen ſtützte und ſein Geſicht an eine der Lucken des Hau⸗ ſes drückte, hörte und ſchaute, von einer unbeſchreib⸗ lichen Atmoſphäre von Melancholie und dennoch Wohlbehagen umhüllt; man hätte ſagen können, die Ruhe dieſer Nacht, die Reinheit dieſes Himmels, die Harmonie dieſes Geſanges haben ſich materia⸗ liſirt und bilden ein atmoſphäriſches Bad, von der höchſten Vorſehung dazu beſtimmt den müden Glie⸗ dern Erquickung und den duldenden Herzen Troſt zu verleihen.
Dem Chevalier war es zu Muth, als athme er zum erſten Mal ſeit drei Jahren.
Auf einmal glaubte er einen leichten Kindertritt über das Gras hinſtreifen zu hören, und ſah im durchſichtigen Schatten die reizende Geſtalt eines jungen Mädchens von vierzehn bis fünfzehn Jahren erſcheinen, das keinen andern Schleier hatte als ſeine langen Haare, keinen andern Schmuck als zwei prächtige Blumen von einer Art weißem und roſarothem Lotus, wie ſie auf den Bächen ſchwim⸗ men; dieß iſt der Lieblingsſchmuck der jungen Tai⸗ tierinnen, welche ſie gleich Ringen in die Knorpeln ihrer Ohren ſtecken. ſch Nan junge Mädchen zog träge eine Matte hinter ſich her.
Zehn Schritte vom Hauſe unter einem Orangen⸗


