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mich zu rächen, um ihren Liebhaber zu tödten; ja, nach dem Geſetze der Welt, nach dem Codex der Ehre muß jetzt er oder ich ſterben, weil Gott ſie als Weib d. h. niederträchtig und verrätheriſch geſchaffen, und weil ſie als niederträchtiges und verrätheriſches Geſchöpf ihre Treue verwirkt hat. Der Tod eines Mannes iſt nothwendig geworden, und zwar dieß Alles nur der Welt, nur der Ehre zuliebe, als ob die Welt ſich um die Art bekümmerte, wie man mir meine Freude raubt, als ob die Ehre nach meinem Unglück oder Glück fragte. Aber freilich bekümmern ſich die Welt und die Ehre um etwas Anderes, nämlich um Blut. Sie fragen Nichts darnach, weſſen Blut in Folge der Beleidi⸗ gung vergoſſen werden ſoll.“
„Sollten Sie etwa Furcht haben, mein Bruder?“ fragte der Baron.
Der Chevalier blickte ſeinen Bruder mit einem verzweiflungsvollen Ausdruck an.
„Ich fürchte blos, daß ich der Mörder ſein könnte,“ ſagte er.
Und er ſprach dieſe Worte mit einer Lebhaf⸗ tigkeit und Energie, welche bewieſen wie ernſtlich ſie gemeint waren.
Dann machte er eine Anſtrengung, legte ſeine bund auf die Schulter des Capitäns und ſagte zu ihm:
„Komm, mein guter Dumesnil, hilf mir zu meiner Rache, da ich dieß Geſchäft der Rache nicht Gott überlaſſen darf, ohne der Feigheit beſchuldigt zu werden.“
Dumas, Black. I. 8


