Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Der Capitän hielt ſich an der Wand, denn er wäre beinahe gefallen.. In der That hatte der Capitän, der Leſer muß es begriffen haben, bis jetzt geglaubt, daß die An⸗ klage ihm in dieſem ganzen Handel eine ſelbſtthä⸗ tigere Rolle zuweiſe, als der Baron gethan hatte.

Er zog den Brief, den er in eine ſeiner Taſchen geſteckt Hatte, lebhaft heraus, entfaltete ihn und las die erſten Zeilen.

Aus der Geberde, die ihm entfuhr, und aus der Bewegung ſeiner Phyſiognomie errieth der Baron Alles.

Sie auch! rief er, ſeine Hände zuſammen⸗ ſchlagend;Sie auch! Nun wohl, dann iſt ſie noch um ein Drittel ſchuftiger als ich geglaubt hatte.

Ja, mein Herr, ich auch, ſagte der Lahtän, ſeine Stimme dämpfend.

Wie ſo?

Ja, ich bin ebenfalls ein Elender, eben ſo elend als dieſes Weib, das dieſen braven, dieſen würdigen, ehrlichen Jungen täuſchen konnte; aber ſagen Sie ihm, wenn er wieder zu ſich kommt.

Aber Dieudonné, der inzwiſchen aus ſeiner Be⸗ täubung erwacht war, unterbrach ihn.

Dumesnil! Dumesnil! Verlaß mich nicht, mein Freund; bedenke, daß ich keine andere Hilfe und keinen andern Troſt mehr in der Welt habe, als Deine Freundſchaft.

Der Capitän, den ſeine Reue zurückhielt, zögerte.

O mein Gott! mein Gott! rief der arme Chevalier, ſeine Hände ringend,iſt denn die Freund⸗ ſchaft auch blos ein leeres Wort, wie die Liebe?