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bart wie ein Mann, der nicht ſo ruhig iſt als er ſcheinen möchte.
Während dieſer Zeit wurde Dieudonné immer bläſſer; die paar Worte, die ihm entfuhren, erklär⸗ ten dieſe zunehmende Bläſſe.
„Meine Unehre!“ wiederholte er,„meine Un⸗ ehre! Aber wie iſts dann mit meinem Kinde, Bruder?“
Der Baron lachte laut auf.
„Dieſes Kind,“ fuhr der Chevalier fort, wie wenn er das ſarcaſtiſche Lachen ſeines Bruders nicht gehört hätte,„dieſes Kind, von dem ich mir ſo viel Freude verſprach, ſeit Mathilde mir vor zwei Tagen die Sache mitgetheilt hat; dieſes Kind, von dem ich am hellen Tag träumte und an das ich ſchlafend dachte; dieſes Kind, das ich mit ſeinem roſenrothen und weißen Engelsgeſichtchen bereits in ſeiner Wiege ſah; dieſes Kind, deſſen holdes Lallen zum Voraus meine Ohren erfreute; dieſes Kind ſollte mir nicht gehören? O mein GCott, mein Gott!“ ſchluchzte er, „ich verliere meine Frau und mein Kind zugleich!“
Der Capitän erhob ſich, wie wenn er den Che⸗ valier in ſeine Arme nehmen wollte; aber er ſetzte ſich ſogleich wieder, und ſtatt auf ſeinen Schnurr⸗ bart zu beißen, begann er an ſeinen Fäuſten zu nagen.
Der Baron aber ſchien weder den Schmerz ſei⸗ nes Bruders noch den Zorn des Capitäns zu ſehen, und antwortete brutal:
„Ja, denn dieſer Brief, den der Zufall in meine Hände geſpielt, den ich Ihnen mitzutheilen wünſchte, und deſſen ſich der Capitän Dumesnil bemächtigt


