105— „Begreifen Sie denn nicht, daß ich mich zu Ihrer Verfügung ſtelle, mein Herr?“
„Nein,“ fuhr der Baron in immer lauterem Tone fort;„nein, Dieudonné muß erfahren, daß ſeine unwürdige Frau und ſein nicht minder un⸗ würdiger Freund...“
Der Capitän wurde leichenblaß und ſuchte den Mund des Barons mit ſeiner Hand zuzudecken.
5 Aber es war zu ſpät, der Chevalier hatte ge⸗ ört.
„Meine Frau!“ rief er;„Mathilde ſollte mich getäuſcht haben, ſie? Warum nicht gar! Das iſt unmöglich.“
„Mein Gott!“ ſagte der Capitän,„der Schurke hat ſeinen Zweck erreicht.“.
Und mit einem Achſelzucken ließ er den Baron los und ſetzte ſich in eine Ecke des Zimmers wie ein Mann, der alles Mögliche gethan hat, um einer Cataſtrophe vorzubeugen, der aber dieſelbe trotz ſeiner Bemühungen herankommen ſieht und ſich mit Geduld darein ergibt.
„Unmöglich?“ verſetzte der Baron, ohne auf den kläglichen Ton zu achten, mit welchem ſein Bruder dieſe Worte geſprochen hatte.„Wenn Sie mir nicht glauben wollen, ſo erſuchen Sie den Herrn Capitän Ihnen den Brief zurückzugeben, deſſen er⸗ ſich allen Geſetzen der Schicklichkeit und des An⸗ ſtands zuwider bemächtigt hat, dann werden Sie den Beweis Ihrer Unehre ſehen.“
Der Capitän, der in ſeiner Ecke ſaß, ſchien ganz unempfindlich zu ſein, aber er zerbiß ſich den Schnurr⸗


