Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Einfluß der Erziehung hatten bei ihr die aufmerk⸗ ſame und pünktliche Hausfrau ſtereotypirt; was auch der Gang ihrer Gedanken ſein mochte, ſie be⸗ wies Dieudonné keine geringere Anhänglichkeit, aber im Grund reizte die melancholiſche Zärtlichkeit des Chevalier das empfindliche Nervenſyſtem ſeiner Frau, und die Blicke, die ſie ihm unter dem Titel Liebes⸗ blicke zuwarf, begannen ſich allmählig mit jenem ungeduldigen Haß zu verſetzen, welchen Frauen wie ſie immer ein wenig auf einen Gatten werfen, der ihnen beharrlich nicht den mindeſten Grund zur Klage und folglich keine Veranlaſſung zu irgend einer, wenn auch noch ſo kleinen Rache gibt.

Nun ſtellte an demſelben Tag, wo Herr de la Graverie ſeinen Freund von geſtern in ſein Haus einführte, der Baron, der zum erſten Mal⸗wieder zu Dieudonné kam, ſeiner Schwägerin einen jungen Huſarenlieutenant vor, der ihr aufs Wärmſte em⸗

pfohlen wurde.

Dieſer junge Huſar war wirklich einer der rei⸗ zendſten Offiziere, die man ſehen konnte; er hatte eine ſchmächtige Taille von wahrhaft weiblicher Ge⸗ ſchmeidigkeit, eine elegante Haltung, einen zierlich aufwärts geſtrichenen Schnurrbart, ein dünkelhaftes Geſicht, kurz, er war ein vollendeter Hampelmann, der ſich darauf verſtand die goldenen Treſſen einer Huſarenjacke vortheilhaft in der Sonne glänzen zu laſſen und eine Säbeltaſche windbeutelig zu ſchleppen.

Man hat nicht genug ausſtudirt und wird nie⸗ mals genug ausſtudiren, wie groß der Einfluß einer angenehmen Tournure und eines jovialen Humors auf die Geſundheit und die Gemüthsart einer hüb⸗