Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Frau nothwendig einſtellen müßte, wie ſie ſich bei ihm ſelbſt einſtellte, wenn er die witzigen Einfälle ſeines neuen Bekannten hörte, ihm zu gut kommen würde, und in Folge deſſen machte er ihm ſogleich alle Avancen, wie nur ein Verliebter ſie der Dame ſeiner Sehnſucht macht.

Nach einigen Stunden war das Freundſchafts⸗ verhältniß ſo gut eingeleitet, daß Herr Dumesnil auf den folgenden Tag ein Diner bei dem Cheva⸗ lier angenommen hatte, und zwar ohne ſich lange bitten zu laſſen.

Der Capitän gehörte übrigens, ſagen wirs im Vorbeigehen, zu denjenigen Leuten, die beim Teufel zu Gaſt eſſen würden, wenn ſie überzeugt ſein könn⸗ ten, daß der Braten nicht verbrannt wäre.

Ohne es im Mindeſten zu ahnen, befand ſich Herr de la Graverie juſt damals in einer der cri⸗ tiſchſten Phaſen des ehelichen Lebens.

Frau de la Graverie langweilte ſich ſchon ſeit geraumer Zeit. Die Langweile iſt bei den Frauen von Mathildens Temperament der Schauer, welcher dem Fieber vorangeht. Das Jahr nach der zweiten Reſtauration war ſehr heiter geweſen; die junge Frau war überſättigt von dem Lärm, den Tanz⸗ beluſtigungen, von der alltäglichen Coketterie; ſie begann dieſe Arten von Vergnügungen nicht mehr um des bloßen Vergnügens willen zu lieben; ſie fühlte die Leere in ihrem Herzen, und Frau de la Graverie war wie die Natur, die Leere war ihr ein Gräuel.

Sie blieb übrigens dieſelbe oder ſo ziemlich die⸗ ſelbe gegen ihren Gatten; die Gewohnheit und der