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verfertigt, aus welchem ſie bisher ihren Götzen ge⸗ macht hatte.
Ein Gatte, der in den Zuſtand der legalen Münze übergegangen iſt, hat nur noch Zwangs⸗ cours.
Nicht als ob wir ſagen wollten, Mathilde habe am Tage, als ſie dieſe unſelige Entdeckung gemacht, aufgehört ihren Gatten zu lieben; im Gegentheil, die ganz beſondere Aufmerkſamkeit, welche ſie ihm während der Unpäßlichkeit in Folge des unglückſe⸗ ligen Escorterittes widmete, war noch Nichts im Ver⸗ gleich mit derſenigen, die ſie öffentlich an den Tag legte; einige zieräffiſche Dämchen wollten ſogar in der Zärtlichkeit, welche die junge Deutſche ohne alle Scheu und Verſtellung ihrem Gemahl widmete, etwas Unziemliches finden; aber wir müſſen, um der Wahrheit in allen Punkten getreu zu blei⸗ ben, geſtehen, daß Mathilde, wenn ſie mit einander allein waren, den Mund nur noch zum Gähnen öffnete, und daß ihre Pflichten und Verbindlichkei⸗ ten als Dame von Welt ſich mit jedem Tag unge⸗ mein zu vervielfältigen anfingen.
Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Chevalier de la Graverie Nichts bemerkte, was ihn hätte vermu⸗ then laſſen, daß er nicht fortwährend der glücklichſte aller Menſchen ſei; er ſah in ſeiner Ehe die Ver⸗ hätſchelungen, an die ſeine Kindheit gewöhnt gewe⸗ ſen, fortwähren und war allmählig ſo weit gekom⸗ men, daß er Mathildens außerordentliche Pflege und Sorgſamkeit als etwas höchſt Einfaches und Natürliches betrachtete, wie wenn dieß das Aller⸗ wenigſte wäre was ſie thun könnte. 1


