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ſo hatte er doch nicht den Muth in ſich verſpürt ihn zu Fuß zurückzulegen.
Mathilde ſtieß einen Schrei aus, als ſie ihn er⸗ blickte: er ſchien um zehn Jahre älter zu ſein.
Der Chevalier ließ ſein Bett mit Zucker wär⸗ men, legte ſich, ſtand drei Tage nicht mehr auf und klagte vierzehn Tage lang über Schmerzen am gan⸗ zen Leibe.
Ach! wie ganz anders war ſein ruhiges Leben in der kleinen bayriſchen Villa geweſen; jene lan⸗ gen mit Liebkoſungen vermiſchten téte--téte, jene lieblichen Dämmerungsſpaziergänge am Saume des Waldes und am Ufer des Fluſſes; Spaziergänge, auf welchen das Schweigen der beiden Gatten ſo beredt verliebt war wie das zärtlichſte Gekoſe, ſo vollſtändig war die Verſchmelzung ihrer Seelen! Jetzt gab es inmitten gleichgiltiger Perſonen keine egoiſtiſche Abgeſchloſſenheit mehr, es war vorüber mit jenen bezaubernden téte-A-tôte am Kaminfeuer, wo man ſich im Geiſte ein Alter à la Philemon und Baucis aufgebaut hatte.
Das Schlimmſte bei all dem— und das Abenteuer mit dem Lendenweh führte ſchnell zu dieſer Ueber⸗ zeugung— war, daß Frau de la Graverie ſich durch die Vergleichung genöthigt ſah anzuerkennen, daß ihr Chevalier juſt nicht ſo hoch über allen andern Männern ſtand, wie ſie bisher angenommen hatte.
Es iſt ein für die Liebesgeſchäfte fataler Au⸗ genblick und eine gefährliche Klippe für die eheliche Treue, wenn die Frau zu vermuthen anfängt, daß: der Schöpfer nicht gerade ausgeruht haben dürfte, nachdem er ganz expreß für ſie den Gegenſtand


