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Vorſtellungen ihres ehrwürdigen Gewiſſensrathes überzeugen; um ſich aber neue Rechte auf die Er⸗ kenntlichkeit der jungen Leutchen zu erwerben, gab ſie ſich den Anſchein, als ließe ſie ſich einzig und allein durch ihre Thränen und Bitten beſtimmen, und zur großen Freude ſämmtlicher Stiftsdamen verlieh eine Heirath dieſer Liebe, welche ſie als ihr gemeinſchaftliches Werk betrachteten, die Weihe der Geſetzlichkeit.
Man richtete den neuen Haushalt in einer klei⸗ nen Villa der Umgegend ein, und unter dem Schutze der Stiftsdamen, die alle Phaſen deſſelben mit dem neugierigen übergeſchäftigen Eifer verfolgten, als ob ſie ſämmtlich Schwiegermütter wären, drohte der Honigmond der beiden Gatten ſich zu verewigen.
Der Tod der Frau von Beauterne war die erſte Wolke, die über dieſes Glück hinzog; die gute Dame hinterließ ihrem Neffen etwa dreißigtauſend Franken Rente; aber, ſagen wirs zum Lobe des jungen Mannes, weder dieſes ſehr ehrenwerthe Vermögen, noch die Conjugation des Zeitworts lieben, die alle ſeine Augenblicke in Anſpruch nahm, verhinderten ihn aufrichtige und fromme Thränen zu finden, um das Andenken ſeiner zwei⸗ ten Mutter zu ehren.
In der That war Dieudonné über ſein zwan⸗ zigſtes Jahr hinausgekommen, ohne daß dieſes Alter der Prüfungen an der Sanftmuth und Naivetät, welche ſeine Kindheit characteriſirten, Etwas ver⸗ ändert hätte.
Er hatte noch immer ſeinen Drang zu welt⸗ umfaſſender Zärtlichkeit und unendlichem Erbarmen;


