Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Tage, als hätte man ihre beiden Köpfe auf dem⸗ ſelben Kiſſen geſehen.

Im Nu verbreitete ſich das Gerücht von dieſer Doppelflucht, und die Unruhe war groß in der Gemeinde.

Die beiden Tanten waren natürlich die betrüb⸗ teſten; ſie beteten und ſchluchzten.

Ihre Gefährtinnen ſpien Feuer und Flammen, ohne zu bedenken, daß die Stunde der Ernte ge⸗ kommen war, weiter Nichts, und daß ſie jetzt ern⸗ teten was ſie geſäet hatten.

Endlich gab eine von ihnen ihr Gutachten da⸗ hin ab, daß Thränen und Geſchrei zu Nichts helfen, und daß man beſſer thun würde alsbald an die Verfolgung der Flüchtlinge zu denken.

Der Rath erſchien gut und wurde angenommen.

Die jungen Leutchen waren zu unerfahren, als daß ſie große Kunſtſtücke von Schlauheit aufgeboten hätten, um ihre Spuren zu verbergen; die zu ihrer Verfolgung ausgeſandten Emiſſäre brachten ſie daher ſchon am folgenden Tag zurück.

Die verirrten Schäfchen kehrten zur Hürde wieder.

Aber damit war die Sache nicht zu Ende, und Frau von Florsheim verlangte eine definitive Lö⸗ ſung des Knotens, wodurch die Breſche, welche in der Perſon ihrer Nichte in die Ehre ihres Hauſes gemacht worden, geziemend wieder ausgebeſſert würde.

Frau von Beauterne weigerte ſich entſchieden.

Sie hatte bedeutende Güter in Frankreich be⸗ halten und meinte daher, für den Erben dieſer Reichthümer ſei die Ehre dieſer Verwandtſchaft mit einer der angeſehenſten Familien Bayerns nicht ge⸗