Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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venanfälle zu; er verfaßte rührende Elegien auf das Hinſcheiden eines Maikäfers, der aus Unvor⸗ ſichtigkeit zertreten wurde; Alles zur großen Zufrie⸗ denheit und zum einſtimmigen Beifall der Stifts⸗ damen, welche die ausgeſuchte Zartheit ſeines Her⸗ zens zum Himmel erhoben, ohne zu bedenken, daß dieſe Uebertreibung des Gefühls ihren Götzen noth⸗ wendig zu einem frühzeitigen Ende führen oder einen egoiſtiſchen Rückſchlag in ſeinen allzu philan⸗ thropiſchen Empfindungen zur Folge haben mußte.

Nach dieſen Prämiſſen ſollte man nicht erwar⸗ ten, daß Dieudonné von ſeinen Erzieherinnen Lehren über die Kunſt zu gefallen und Unterricht in der Wiſſenſchaft des Liebens erhalten hätte.

Und dennoch geſchah dieß.

Frau von Florsheim, eine der Gefährtinnen der Frau von Beauterne, hatte ihre Nichte bei ſich, wie letztere ihren Neffen.

Dieſe Nichte war zwei Jahre jünger als Dieu⸗ donné und hieß Mathilde.

Sie war blond wie alle deutſche Mädchen; wie alle deutſche Mädchen hatte ſie, ſeit ſie aus dem Wickelzeug gekommen war, zwei große blaue Augen, welche Gefühl weinten.

Nun fanden, ſobald die beiden kleinen Geſchöpfe ohne Gängelband gehen konnten, die guten Stifts⸗ damen ihr größtes Ergötzen darin, ſie zu einander hinzudrängen.

Wenn man alſo Dieudonné nicht reiten, fechten und ſchwimmen lehrte oder lehren ließ, ſo lehrte man ihn etwas Anderes.

Wenn er, nachdem er im Aufzug eines Wat⸗