44
Kloſter, ſondern vielmehr und beinahe im Gegen⸗ theil, ſollten wir ſagen, eine Vereinigung von Da⸗ men von Stand, die ſowohl durch ihre Neigungen und Bedürfniſſe, als durch die ſtrengen Uebungen der Andacht zuſammengeführt werden; ſie gehen aus wann es ihnen gut däucht, ſie empfangen wen ſie wollen; ſelbſt ihre Toilette verkündet die Leichtig⸗ keit ihrer Gelübde, und ſo lange Eleganz, ja ſogar Coketterie nur das Seelenheil des Nebenmenſchen nicht zu gefährden ſcheinen, werden ſie im Orden geduldet.
In dieſer halb weltlichen, halb religiöſen Um⸗ gebung wurde der kleine de la Graverie aufgezogen. Unter dieſen guten und liebenswürdigen Damen wuchs er heran.
Die kläglichen Umſtände, die ſeine Geburt be⸗ zeichnet hatten, intereſſirten den Schweſterbund un⸗ gemein; daher wurde auch noch nie ein Kind, ſelbſt wenn es der Erbe eines Fürſten, eeines Königs oder Kaiſers war, ſo verzärtelt, verhätſchelt und verwöhnt wie dieſes. Unter den guten Damen fand ein ſol⸗ cher Verhätſchelungswetteifer ſtatt, daß Frau von Beauterne trotz ihrer Zärtlichkeit gegen den jungen Dieudonné beinahe immer überboten wurde; jede Thräne des Kindes hatte unter der ganzen Gemeinde eine allgemeine Migräne zur Folge; jeder ſeiner Zähne führte zehn ſchlafloſe Nächte herbei, und ohne den ſtrengen Geſundheitscordon, welchen die Tante gegen die Leckereien eingeführt hatte, ohne das un⸗ barmherzige Douanenſyſtem das ſie den Taſchen gegenüber ausübte, wäre der junge de la Graverie ſchon in ſeinem zarten Alter von Süßigkeiten voll⸗ gepfropft, mit Gutchen geſtopft wie ein Papagei,


