Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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derſelbe Chevalier de la Graverie war, deſſen inter⸗ eſſante Geſchichte wir heute ſchreiben.

Die ältere Schweſter der Baronin, die Stifts⸗ dame von Beauterne, nahm ſich des armen kleinen Waiſen an, der mit ſieben Monaten ſo ſchwächlich war, daß der Arzt es für unmöglich erklärte ihn lange am Leben zu erhalten.

Aber der Schmerz über den tragiſchen Tod ihrer Schweſter und ihres Schwagers entwickelte bei die⸗ ſem alten Fräulein die mütterlichen Inſtinkte, welche Gott in das Herz jeder Frau gelegt hat, die aber bei den alten Jungfern durch das Cölibat ausge⸗ trocknet und verknöchert werden.

Der ſehnlichſte Wunſch der Stiftsdame von Beauterne ging dahin Diejenigen, die ſie beweinte, wieder aufzufinden, nachdem ſie würdig und fromm die Aufgabe erfüllt hätte, welche ihr durch den Tod derſelben zugefallen wäre. Mit der Hartnäckigkeit, welche unverheirathete Perſonen kennzeichnet, wollte

ſie, daß das Kind am Leben bleibe, und indem ſie

Schätze von Geduld und Selbſtverleugnung ver⸗ ſchwendete, brachte ſie es ſo weit, daß das Horoſ⸗ cop des Mannes der Wiſſenſchaft, das indeß weit zuverläſſiger iſt, wenn es den Tod prophezeit, als wenn es Leben verheißt, zum Lügner wurde. Sobald die Wege frei waren, ſchloß ſich Frau von Beauterne mit ihrem Schatze verſehen ſo nannte ſie Stanislaus Dieudonné de la Graverie unter der Gemeinde der deutſchen Stiftsdamen ein, zu denen ſie gehörte. Eine Gemeinde von Stiftsdamen iſt geben wir unſern Leſern ſchnell dieſe Erklärung kein