Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Ihre erſten Regungen und Anſtrengungen wa⸗ ren hinaufzuſteigen, um zu ihrem Mann zu gelan⸗ gen; aber die Gendarmen, die ſich von ihrer erſten Ueberraſchung erholt hatten, ſtießen ſie zurück.

Nun klammerte ſie ſich an die Leiter des Wa⸗ gens an und ſtieß ein Geheul aus wie eine Närrin; ſodann hielt ſie plötzlich ohne Uebergang inne und begann die Henker ihres Mannes anzuflehen, wie hai⸗ nie ein Verurtheilter die ſeinigen angefleht

atte.

Das Schauſpiel war ſo grauenhaft, daß trotz der blutdürſtigen Gelüſte, welche die tägliche Wie⸗ derkehr dieſer ſchauerlichen Dramen nothwendig bei der Menge entwickelt hatte, mehr als einem grimmigen Sansculotte, mehr als einer jener ab⸗ ſcheulichen Hallenmegären, die man mit dem ſchrecklich charakteriſtiſchen Namen Guillotinen⸗ leckerinnen bezeichnete, dicke Thränen über die Wangen floßen. Als daher die Natur unter der Qual des Schmerzes erlegen war, als Frau de la Graverie fühlte, daß ihre Kräfte ſie verließen, als ſie vom Wagen ablaſſen mußte und in Ohnmacht fiel, da fand das arme Geſchöpf⸗ mitleidige Herzen um ſich, die ſich beeiferten ihr zu Hilfe zu kommen.

Man trug ſie nach Hauſe, und der Arzt wurde augenblicklich gerufen.

Aber die Erſchütterung war allzu heftig gewe⸗ ſen; die arme Frau ſtarb nach zwei Stunden in einem Anfall von Fieberwahnſinn, während ſie zwei Monate vor der Zeit ein ſchwächliches Kind, ge⸗ brechlich wie ein Rohr, zur Welt brachte, welches