Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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aber dieß war unmöglich: die Menge verſperrte den Ausgang. Sie ſchritt alſo vorwärts und nun wurde ſie von der wogenden Maſſe fortgeriſſen, und die Strömung drängte nach dem Hauptplatz, wie ein Fluß ſich ins Meer ſtürzt.

Der Platz war vollgedrängt, und über den Kö⸗ pfen all dieſer Menſchen ragte die rothe Geſtalt der Guillotine empor, auf deren Höhe, bepurpurt von einem letzten Strahl der untergehenden Sonne, das fatale Meſſer und furchtbare Sinnbild der Gleich⸗

heit, wo nicht vor dem Geſetz, doch wenigſtens vor

dem Tode, funkelte.

Frau de la Graverie ſchauderte und wollte ent⸗ fliehen.

Dieß war noch unmöglicher, als das erſte Mal; eine neue Volkswoge war auf den Platz gedrungen und hatte ſie bis in die Mitte vorangetrieben, von einer Durchbrechung der dichten Reihe der Menge aber konnte gar nicht die Rede ſein; wenn ſie dieß verſucht hätte, ſo riskirte ſie ſich als Ariſtokratin kund zu geben und nicht blos ihren eigenen Kopf, ſondern auch den ihres Mannes bloszuſtellen.

Der Verſtand der Baronin hatte, da er ſeit einigen Tagen in größter Spannung nur auf ein einziges Ziel, nämlich auf die Flucht des Barons, gerichtet war, einen bewundernswürdigen Grad von Klarheit erlangt. 1

Sie dachte an Alles. 4

Sie ergab ſich ins Unvermeidliche und raffte all ihren Muth zuſammen, um das entſetzliche Schau⸗ ſpiel, das unter ihren Augen vor ſich gehen ſollte,