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„Nicht wahr, wir werden ſeinen Vater befreien?“ rief Billot, ſich an die Menge wendend.
„Ja, ja!“ brüllte die Menge,„wir werden ihn befreien.“
Sebaſtian ſchüttelte den Kopf.
„Mein Vater iſt in der Baſtille,“ ſprach er ſchwer⸗ müthig.
„Nun?“ rief Billot.
„Nun, man nimmt die Baſtille nicht,“ erwiederte der Knabe.
„Was wollteſt Du dann thun, da Du dieſe Ueber⸗ zeugung haſt?“
„Ich wollte auf den Platz gehen; man wird ſich dort ſchlagen; mein Vater hätte mich vielleicht durch das Gitter eines Fenſters bemerkt.“
„Unmöglich.“
„Unmöglich! und warum? Ich habe eines Tags, als ich mit meinen Mitſchülern ſpazieren ging, den Kopf eines Gefangenen geſehen. Wenn ich meinen Vater geſehen hätte, wie ich dieſen Gefangenen ſah, ſo hätte ich ihn erkannt und ihm zugerufen: Sei ruhig, guter Vater, ich liebe Dich.“ hat„Und wenn die Soldaten der Baſtille Dich getödtet
ten?“
„Nun! ſo hätten ſie mich unter den Augen meines Vaters getödtet!“ 3
„Tod und alle Teufel! Du biſt ein böſer Knabe, Sebaſtian. Du willſt Dich vor den Augen Deines Vaters tödten laſſen! Du willſt machen, daß er vor Schmerz in ſeinem Käſich ſtirbt, er, der nur Dich auf der Welt hat, der Dich ſo ſehr liebt! Du biſt offenbar ein ſchlimmes Herz, Sebaſtian!“
Und der Pächter ſtieß den Knaben zurück.
„Ja, ja, ein ſchlimmes Herz,“ rief Pitou, in Thrä⸗ nen zerfließend.
Sebaſtian antwortete nicht.
Und während er in einem düſtern Stillſchweigen


