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I. Mazarin und Madame Henriette.
Der Cardinal ſtand auf, um die Königin Hen⸗ riette zu empfangen. Er begegnete ihr mitten in der Gallerie vor ſeinem Cabinet.
Mazarin legte um ſo mehr Ehrfurcht gegen dieſe Königin ohne Gefolge und ohne Schmuck an den Tag, als er wohl fühlte, daß er ſich einen Vorwurf über ſeinen Mangel an Gemüth und über ſeinen Geiz zu machen hatte.
Aber die Bittſteller wiſſen ihr Geſicht zu nöthigen, jeden Ausdruck anzunehmen, und die Tochter von Heinrich IV. lächelte, als ſie demjenigen entgegentrat, welchen ſie haßte und verachtete.
„Ach,“ ſagte Mazarin zu ſich ſelbſt,„was für ein ſanftes Geſicht? Kommt ſie etwa, um Geld von mir zu entlehnen?“
Und er warf einen unruhigen Blick auf den„Segt ſeiner Kaſſe. Er drehte ſogar den Kaſten des prächti⸗ gen Diamants nach Innen, deſſen Glanz die Augen auf ſeine übrigens weiße und ſchöne Hand ziehen konnte. Unglücklicher Weiſe hatte dieſer Ring nicht die Eigen⸗ ſchaft des von Gyges, welcher ſeinen Herrn unſichtbar machte, wenn er that, was Mazarin gethan hatte.
Mazarin aber hätte in dieſem Augenblick wohl
unnſichtbar zu ſein gewünſcht, denn er ahnte, daß Ma⸗
dame Henriette kam, um ihn um etwas zu bitten. Wenn
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