227
um ſeine Unterſtützung zu bitten, und dreimal ließ er mich durch ſeine Bedienten fortjagen.“
„Oh, mein Gott, mein lieber Herr Mordaunt,“ ſprach Mazarin in der Hoffnung, ihn durch ſein fal⸗ ſches Mitleid in irgend eine Falle zu bringen;„mein Gott, Eure Erzählung intereſſirt mich ſehr. Ihr kennt alſo Eure Geburt nicht?“
„Ich kenne ſie erſt ſeit kurzer Zeit.“
„Und bis zu dem Augenblick, wo Ihr ſie kennen lerntet?“
„Betrachtete ich mich als ein verlaſſenes Kind.“
„Ihr habt alſo Eure Mutter nie geſehen?“
„Doch wohl, Monſeigneur. Als ich noch ein klei⸗ nes Kind war, kam ſie dreimal zu meiner Amme. Ihrer düſtern Erſcheinung erinnere ich mich, als ob es heute wäre.“
„Ihr habt ein gutes Gedächtniß,“ ſprach Mazarin.
„O ja, Monſeigneur,“ antwortete der junge Mann mit einer ſo ſeltſamen Betonung, daß dem Cardinal ein Schauer durch die Adern lief.
„und wer hat Euch aufgezogen?“
„Eine franzöſiſche Amme, die mich fortſchickte, als ich fünf Jahre alt war, weil ſie Niemand mehr be⸗ zahlte. Sie nannte mir den Verwandten, von dem meine Mutter oft mit mir geſprochen hatte.“
„Was wurde dann aus Euch?“
„Da ich auf der Landſtraße weinte und bettelte, nahm mich ein Pfarrer von Kingston auf, unterrichtete mich in der calviniſchen Religion, ertheilte mir die ganze Wiſſenſchaft, die er ſelbſt beſaß, und unterſtützte mich in meinen Nachforſchungen nach meiner Familie.“
„Und dieſe Nachforſchungen?“
„Blieben fruchtlos; der Zufall that Alles.“
„Ihr entdecktet, was das Schickſal Eurer Mutter
geweſen war?“
„Ich erfuhr, daß ſie dieſer Verwandte mit Hülfe von vier Freunden ermordet hatte. Aber ich wußte


