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„Mylord von Winter!“ rief die Königin,„der Freund meines Gatten? O laßt ihn eintreten!“
Und die Königin lief dem Boten entgegen und faßte ihn bei der Hand.
Lord Winter kniete in die Zelle eintretend nieder und übergab der Königin einen in einem goldenen Etui verwahrten Brief. 4
„Ah, Mylord,“ ſprach die Königin,„Ihr bringt uns drei Dinge, die wir ſeit langer Zeit nicht mehr
geſehen haben: Gold, eine ergebene Seele und einen Brief von unſerem Gemahl und Herrn.“
„Lord Winter verbeugte ſich, aber er vermochte nicht zu antworten, ſo erſchüttert war er.
„Mylord,“ ſprach die Königin auf den Brief deu⸗ tend,„Ihr begreift, daß es mich drängt, zu erfahren, was dieſes Papier enthält.“
„Ich entferne mich, Madame,“ ſprach der Lord.
„Nein, bleibt,“ ſagte die Königin,„wir werden vor Euch leſen. Begreift Ihr nicht, daß ich tanſend Fragen an Euch zu machen habe?“
Der Lord ging einige Schritte zurück und blieb dann ſchweigend ſtille ſtehen. 4
Die Mutter und die Tochter zogen ſich in eine Fenſtervertiefung zurück und laſen gierig, die Tochter auf den Arm der Mutter geſtützt, folgenden Brief:
„Madame und theure Gemahlin!
„Wir ſind am Ziele angelangt. Alle Quellen, welche mir Gott gelaſſen hat, ſind in dem Lager von Naſeby concentrirt, von wo aus ich Euch in Eile ſchreibe. Hier erwarte ich das Heer meiner meuteriſchen Unter⸗ thanen und ich werde zum letzten Male gegen ſie ſtrei⸗ ten. Bin ich Sieger, ſo ſetze ich den Kampf auf lange Zeiten fort, werde ich beſtegt, ſo bin ich gänzlich ver⸗ loren. In letzterem Falle(ach! in unſerer Lage muß man Alles vorherſehen) will ich die Küſte von Frank⸗ reich zu erreichen ſuchen; aber kann man dort, will man einen unglücklichen König aufnehmen, der ein ſo


