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Er nahm Geneviève in ſeine Arme und trug ſie, ſeine Lippen auf ihre Lippen gedrückt, in die Arme von Sanſon.
„Muth,“ rief Lorin,„Muth!“
„Ich habe,“ antwortete Geneviève,„ich habe.“
„Ich liebe Dich!“ flüſterte Maurice;„ich liebe Dich!“
Es waren nicht mehr Opfer, die man erwürgte, es waren Freunde, die ſich aus dem Tode ein Feſt bereiteten.
„Gott befohlen!“ rief Geneviève Lorin zu.
„Auf Wiederſehen!“ antwortete dieſer.
Genevisve verſchwand unter dem unſeligen Schwengel.
„Nun Du!“ ſagte Lorin.
„Du!“ verſetzte Maurice.
„Hörel ſie ruft Dich!“
Genevieve ſtieß in der That ihren letzten Schrei aus.
„Komm!“ rief ſie.
Ein gewaltiges Geräuſch machte ſich in der Menge hörbar. Der ſchöne, anmuthige Kopf war gefallen.
Mauriece ſtürzte vor.
„Das iſt nur zu billig,“ ſprach Lorin,„folgen wir der Logik. Verſtehſt Du mich, Maurice?“
„Ja.“
„Sie liebte Dich, man tödtet ſie zuerſt; Du biſt nicht verurtheilt, Du ſtirbſt als der Zweite; ich, der ich nichts gethan habe und der Strafbarſte von allen Dreien bin, komme zuletzt.
„Alle Dinge zu erklären, Muß die Logik ſich bewähren.“
„Meiner Treue, Bürger Sanſon, ich hatte Dir einen Quatrain verſprochen, doch Du wirſt Dich mit einem Doppelverſe begnügen.“
„Ich liebte Dich,“ flüſterte Maurice, an das Unglücks⸗ brett gebunden und dem Kopfe ſeiner Freundin zulächelnd, hich lieb...“
4 Das Meſſer ſchnitt ihm die Hälfte des Wortes ab. „Nun kommt es an mich,“ rief Lorin auf das Schaffot


