21
Municipal, Du biſt Secretaire einer Section, Du warſt angeklagt, wahrend ich nur Dein Vertheidiger geweſen binz man würde Dich für ſchuldig halten, bleibe alſo; bei mir iſt es etwas Anderes, ich wage nichts und gehe.“
Alles, was Lorin ſagte, war ſo richtig, daß ſich nichts erwiedern ließ. Wechſelte Maurire nur ein einziges Zeichen mit Heloiſe Tiſon bei ihrem Gange nach dem Schaffot, ſo gab er dadurch ſelbſt ſeine Mitſchuld zu.
„Gehe alſo,“ ſagte er,„doch ſei, klug.“
Lorin lächelte, drückte Maurice die Hand und ging.
Maurice öffnete das Fenſter und ſandte ihm einen trau⸗ rigen Abſchied nach. Doch ehe Lorin ſich um die Ecke ge⸗ wendet hatte, hatte er ſich wiederholt dahin begeben, um ihn noch einmal anzuſchauen, und jedes Mal wandte ſich Lorin, gleichſam durch eine magnetiſche Sympathie an⸗ gezogen, um ſeinen Freund ebenfalls lachelnd anzu⸗ ſchauen.
Als er endlich an der Ecke des Quai verſchwunden war, ſchloß Maurice das Fenſter, warf ſich in einen Lehn⸗ ſtuhl und verſank in einen von jenen ſchlafartigen Zu⸗ ſtaͤnden, welche bei ſtarken Charakteren und kräftigen Or⸗ ganiſationen Vorgefühle großer Unglücksfälle ſind, denn ſie gleichen der Meeresſtille, die dem Sturme vorhergeht.
Er wurde dieſer Träumerei, oder vielmehr dieſer Betäubung erſt durch ſeinen Willfährigen entzogen, der von einem Auftrage zurückkehrend, den er auswärts beſorgt hatte, mit der eifrigen Miene der Bedienten eintrat, welche vor Begierde brennen, ihrem Herrn die Neuigkeiten, die ſie erfahren haben, mitzutheilen.
Als er aber Maurice in Gedanken verſunken ſah, wagte er es nicht, ihn zu ſtören, und beſchränkte ſich da⸗ rauf, daß er ohne Gründe, aber mit großer Beharrlichkeit,
vor ihm hin und herging.
„Was gibt es denn?“ fragte Maurice mit gleichgül⸗ tigem Tone;„ſprich, haſt Du mir etwas zu ſagen?“
Ah! Bürger, abermals eine große Verſchworungl“
Maurice machte eine Bewegung mit den Schultern


