„Geſtern Abend.“ „Wie dies?“ „Verkleidet als Chaſſeur der Nationalgarde. Eine
Frau, von der man glaubt, ſie ſei eine als Frau aus
dem Volk verkleidete Ariſtokratin, brachte ihm Kleider an
die Barrière; einen Augenblick nachher kamen ſie Arm in Arm herein. Erſt als ſie vorübergegangen waren, faßte die Schildwache Verdacht. Der Mann von der Wache hatte die Frau mit einem Päckchen hinausgehen ſehen, und ſah ſie mit einer Art von Militär am Arm zurück⸗ kommen; das war verdächtig; er machte Lärm und man lief ihnen nach. Sie verſchwanden in einem Hotel der
Rue Saint⸗Honoré, deſſen Thüre ſich wie durch einen
Zauber öffnete. Das Hotel hatte einen zweiten Ausgang
nach den Champs⸗Elyſées. Guten Abend... der Che⸗
valier von Maiſon⸗Rouge und ſeine Mitſchuldige ſind verſchwunden. Man wird das Hotel niederreißen und den
Eigenthümer guillotiniren; doch das wird den Chevalier
nicht abhalten, den Verſuch zu erneuern, der bereits vor
vier Monaten zum erſten und zum zweiten Male geſchei⸗
tert iſt.“ 4 „Er iſt alſo nicht verhaftet?“
„Ahl ja wohl, verhafte Protheus, mein Lieber, Du weißt, was Ariſtaͤus durchzumachen hatte, um damit zum
Ziele zu gelangen.
„Pastor Aristäus fugiens Peneia tempe.“
„Nimm Dich in Acht,“ ſprach Maurice, indem er den Schlüſſel an den Mund ſetzte.
„Nimm Dich bei Gott ſelbſt in Acht, denn diesmal wirſt Du nicht mich ſondern Virgil auspfeifen.“ 4
„Es iſt richtig, und ſo lange Du ihn nicht überſetzeſt habe ich nichts zu ſagen. Doch kehren wir zu dem Che valier von Maiſon⸗Rouge zurück.“
„Ja, wir müſſen geſtehen, daß es ein tüchtige Mann iſt,“ 8


