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Frankreich hatte durch den Tod von Ludwig XVI. mit ganz Europa gebrochen. Mit den drei Feinden, die es Anfangs bekämpft, nämlich mit Preußen, dem Reiche und Piemont, hatten ſich England, Holland und Spanien verbunden. Nur Schweden und Dänemark behaupteten ihre Neutralität; dieſe beiden Staaten waren indeſſen beſchäf⸗ tigt, Catharina II. Polen zerreißen zu ſehen.
Die Lage war furchtbar. Weniger verachtet als phy⸗ ſiſche Macht, aber auch weniger geſchätzt als moraliſche ſeit den September⸗Metzeleien und der Hinrichtung am 21. Januar war Frankreich buchſtäblich von ganz Europa
blockirt wie eine einfache Stadt. England war an ſeinen
Küſten, Spanien an den Pyrenäen, Piemont und Oeſter⸗
reich an den Alpen, Holland und Preußen im Norden
der Niederlande, und auf einem einzigen Punkte, vom Oberrhein bis zur Schelde, marſchirten zweimal hundert fünfzig tauſend Mann gegen die Republik.
Ueberall waren die ſranzöſiſchen Generale zurückge⸗ drängt. Miaczinski war genöthigt geweſen, Aachen auf⸗ zugeben und ſich gegen Lüttich zu ziehen. Steingel und Neuilly waren in Limburg zurückgeworfen; Mrianda, welcher Maſtricht belagerte, hatte ſich gegen Tongres ge⸗ wendet. Gezwungen, ſich fechtend zurückzuziehen, hatten ſich Valence und Dompierre einen Theil ihres Materials nehmen laſſen. Mehr als zehntauſend Ausreißer hatten bereits die Armee verlaſſen und ſich im Innern zerſtrent. Der Convent, der ſeine Hoffnung nur noch auf Dumou⸗
riez ſetzte, hatte dieſem Couriere auf Couriere mit dem
Befehle zugeſchickt, ſich von den Ufern des Biebos wegzu⸗ begeben, wo er eine Landung in Holland vorbereitete, um das Commando der Maas⸗Armee zu übernehmen Empfindlich im Herzen, wie ein belebter Körper, fühlte Frankreich in Paris, das heißt gerade in ſeinem Herzen, jeden Schlag, den ihm die Invaſion, die Em⸗ pörung oder der Verrath in den entfernteſten Punkten bei⸗ brachten. Jeder Sieg war ein Freudenſturm, jede Nie⸗ derlage ein Anfall allgemeinen Schreckens. Man begreift
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