Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 7.-8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

jungen Leute durch die Woge von Reitern, welche Herrn von Larochefoucault folgten, und hinter denen ſich das Thor wieder ſchließt, in den Hof zurückgedrängt.

Seit zehn Minuten hat die Scene einen ſo ernſten, ſo düſteren Charakter angenommen, daß ſich die Anweſen⸗ den bleich und ſtumm einander anſchauen, und in den Au⸗ gen von Claire und Canolles zu leſen ſuchen, wer von Beiden am meiſten leide. Canolles begreift, daß alle Kraft

von ihm kommen muß; er iſt liebevoll gegen ſeine Freun⸗

din, welche bleich, die Augen geröthet, die Kniee zitternd, ſich an ſeinen Arm hängt, ihn drückt, an ſich zieht, ihm mit einer Miene erſchreckender Zärtlichkeit zulächelt und irre Blicke auf allen den Menſchen umherlaufen läßt, un⸗ ter denen ſie vergebens einen Freund ſucht.

Der Kapitän, welcher ſeiner Seits Befehle von dem Herzog von Larochefoucault erhalten hat, ſpricht ebenfalls leiſe mit ſeinen Officieren. Canolles, deſſen Auge ſicher i*ſt, deſſen Ohr auf die geringſten Worte horcht, welche ſei⸗ nen Zweifel in Gewißheit verwandeln können, hört ihn, obgleich er die Vorſicht gebraucht, ſo leiſe als möglich zu reden, die Worte ſprechen:

Man müßte jedoch ein Mittel finden, die arme Frau zu entfernen.

Er trachtet nur danach, ſeinen Arm von dem liebe⸗ vollen Drucke zu befreien, der ihn zurückhält. Claire be⸗ merkt ſeine Abſicht und klammert ſich mit ihrer ganzen Kraft an ihn an.

Man muß noch mehr ſuchen, ruft ſie;man hat viel⸗ leicht ſchlecht geſucht und wird dieſen Menſchen wiederfin⸗ den. Suchen wir, ſuchen wir Alle, er kann unmöglich entwichen ſein. Warum wäre Herr von Canolles nicht mit ihm, nicht ſo gut wie er entwichen? Auf! Herr Ka⸗ pitän, ich flehe Euch an, gebt Befehle, daß man ſucht.

Man hat geſucht, Madame, antwortete er,und

ſucht noch in dieſem Augenblick. Der Kerkermeiſter weiß

wohl, daß die Todesſtrafe ſeiner harrt, wenn er ſeinen