Druckschrift 
Freikugeln : prosaische und poetische Schüsse in Erzählungen, Novellen und Gedichten / von Georg Döring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

247

während Guido noch beſchäͤftigt war, Minona's Bande zu loͤſen. In dem Gefangenen erkannte man einen Diener des Hauſes, welchen Henry durch Be⸗ ſtechung vermocht hatte, ihm in der Nacht die Pforte zu öffnen und bei dem Bubenſtücke behülf⸗ lich zu ſeyn. Durch Hülfe eines Nachſchlüſſels wa⸗ ren ſie in Minona's Zimmer gedrungen, hatten die Jungfrau im Schlafe überraſcht und mit Gewalt fortgeſchleppt. Henry's Leichnam wurde bei Seite gebracht, der treuloſe Diener in den Kerker geführt.

Jetzt erſt erhielt die ohnmächtige Minona ihre Beſinnung wieder. Ihr ſchönes Auge weilte dank⸗ bar auf Guido'n und ihre erſten Worte waren:

Wie oft werde ich noch in Euch meinen Retter ſehen!

Dann ſiel ſie ihrer Freundin in den Arm und wurde von dieſer und dem Oheim mit Liebkoſungen überhäuft. Nachdem Guido ſich überzeugt hatte, daß Minonens Geſundheit durch dieſes Ereigniß nicht tief erſchüttert worden, entfernte er ſich ſtill und ſuchte ſein Zimmer. Hier brachte er die ůbri⸗ gen Stunden der Nacht mit Entwurfen für die Zu⸗ kunft, mit Planen der Liebe zu.