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ſtreiche eine kühlende Zugluft über ſein Antlitz: er erwachte. Vor ihm ſtand des Schweſterleins wohl⸗ bekannte Lichtgeſtalt.
„Guido, deine Seele iſt gerettet!“ flüſterte ſie mit ſanfter Flötenſtimme.„Du haſt den Verſuchun⸗ gen widerſtanden, die der unglückſchwangere Augen⸗ blick deiner Geburt über dich verhängt hatte. Die Prüfung iſt vorüber. Nimmer werden die Gewal⸗
ten der Unterwelt ſich wieder in dein Leben drän⸗
gen. Du wirſt glücklich werden mit Minonen! Jetzt aber erhebe dich und eile, die Geliebte aus Fein⸗ deshänden zu retten. Sie ſchwebt in augenblicklicher Gefahr. Lebe wohl! Mich ſiehſt du nie wieder!“
Die Lichtgeſtalt verſchwand. Guido ſprang raſch von ſeinem Lager auf. Es war ihm, als höre er ferne Stimmen und Waffengeräuſch. Ohne weitere Ueberlegung warf er ein Gewand über, nahm ſein Schwerdt zur Hand und eilte in den vor dem Ge⸗ mache hinlaufenden Gang, nach welchem auch Mi⸗ nona's Zimmer ging. Haſtig ſtürzte er einem Licht⸗ ſchimmer zu, den er von fern erblickte. Wie ward ihm, als er die Geliebte erblickte, welche, gebun⸗ den und mit verſtopftem Munde, von zwei fremden Mähnnern fortgeſchleppt wurde!


