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und Religion zu entwickeln. Er war ſonſt ſtill und ernſt. Auf ſeinem Antlitze ruhte ein Frieden, der erſt nach mannigfachen Lebens⸗ ſtuͤrmen ſich dort angeſiedelt zu haben ſchien. Nicht allein die Bewohner des Hauſes, ſon⸗ dern auch die uͤbrigen Nachbarn aus dem Dorfe gewannen ihn lieb und jedermann freute ſich, wenn der gute Pater wiederkehrte. Wo eine Verlegenheit eintrat, kam ſein freund⸗ licher Rath zu Huͤlfe; bei unabwendbaren Leiden beruhigte ſein Troſt.
Niemand fand an dem Pater etwas Beſondres; nur die Wittwe von Vieſch machte hierin eine Ausnahme. Oft, wenn er mit den Kindern ſich beſchaͤftigte, ruhte unbemerkt ihr Blick auf ihm. Sie glaubte dann in dem Antlitze des Greiſes die Zuͤge jenes Un⸗ bekannten aufzufinden, der einſt ihrer Tochter Hochzeitsfeſt unterbrochen; weiterfliegende Ge⸗ danken knuͤpften ſich an dieſe: des fruͤhe ver⸗ 6


