Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

ſeine Kleidung mit der gottſeligen Anrede überein; er trug nämlich einen dunkeln, bis faſt zu den Knöcheln reichenden Rock nebſt abgetragenen ſchwarzen Beinkleidern, wozu freilich die alte Militärmütze wie eine Fauſt auf's Auge paßte. Die drei Schnapstrinker ſtarrten den Eintretenden eine Weile ver⸗ wundert an, worauf zuerſt Poveretti in ein ſchallendes Ge⸗ lächter ausbrach, in welches bald auch der Apoſtelkopf und der Lumpenkübler einſtimmten.Biſt ein Pfaffe geworden, Meerkrebs? frug Poveretti, als ihn das Lachen zu Worte kommen ließ.Bin eben daran mich bekehren zu laſſen, war die Antwort. Iſt eine plaiſirliche Geſchichte. Er ſolle erzählen, rief der ganze Chor.Sind jetzt etwa vierzehn Tage, daß ich halb im Duſel, halb im Katzenjammer vor einer Kloſterpforte lag, keine Santine in der Taſche, ge⸗ ſchweige einen Halbbatzen zu einem Schnapſe. Auf einmal finde ich mich im Redzimmer wieder und etliche Nonnen reden mir durch ein Gitter vom Pfad zur Tugend und von der ewigen Seligkeit und laſſen mir dazu gutes Eſſen und Trinken aufſtellen. Iſt nicht ſo ſchlimm, als wie man ſich einbildet, der Weg zur Tugend, dachte ich, und ließ ſie nach Herzens⸗ luſt an mir bekehren. Wurde alſo ein anderer Menſch, nahm den Katechismus zur Hand, ging fleißig zur Veſper und Mette, erhielt angemeſſene Verköſtigung und vom Kloſter⸗ beichtiger ſothanen Rock nebſt Hoſen, worin mir freilich erſt etwas ungewohnt war. Er habe es auch ſchon einmal probirt, meinte derausgewieſene Teſſiner es ſei aber gegen ſeine Natur, lange bei der gleichen Hantirung zu bleiben; zudem würde es in die Länge verteufelt langweilig und man werde zu fett dabei.Kömmt einem freilich hart an den ganzen Tag kein ordentlicher Fluch, kein Karten⸗ ſpiel, kein Schnaps herumſchleichen geſenkten Kopfes und mit niedergeſchlagenen Augen und Abends mit den Hühnern zur Ruh. Bin deßhalb heut, als die Mette aus war über die Kloſtermauer ausgeflogen.

4