188
nicht früher und nicht ſpäter als am dreizehnten Tage des Herbſtmonats hier geweſen. Dieß konnte jeder vorüberziehende Keßler, Scheerenſchleifer oder Geſchirrhefter mit einem Blick entziffern.— Neben dem Maßholderbaum biegt eine faſt un⸗ bemerkbare Spur rechts ab und ſcheint ſich bald zwiſchen Fel⸗ ſen und wirrem Geſträuch zu verlieren. Dieſe Spur führt nach dem Keßlerwitteli; ihr folgte die ganze Bande mit be⸗ flügelten Schritten.
Das Keßlerwitteli, hinter ſchroffen Felſen verſteckt, iſt nur auf ſchwer zu findenden Fußwegen zugänglich. Nur we⸗ nigen iſt der Ort bekannt und von den meiſten dieſer wenigen wird er ſorgfältig gemieden, denn es gehen dort böſe Geiſter um und in der Johannisnacht tanzen daſelbſt die Hexen, wie die Alten ſagen, welche noch am Glauben feſthalten. Es iſt eine kleine, ſanft gegen Süden geneigte Fläche, hinten an eine jähe Fluh gelehnt, links und rechts von dichtem Wald und Strauch geſchirmt, nach vorn vom wild zerklüfteten, faſt ſenk⸗ rechten Abhang des Berges begrenzt. Einige uralte Schirm⸗ tannen ſtehen darauf, hie und dort wuchert duftender Hollun⸗ der und nirgends blüht ſchöner die dunkelblaue Gentiane und die goldgelbe Aurikel.
Der laute Jubel wollte kein Ende nehmen, als des Nagler⸗ hanſen unverſehens aus dem Walde traten. Es war aber auch eine ſchöne Geſellſchaft, die ſich hier zuſammengefunden hatte; da waren der Schleifertoni und der Chrättenruodi, beide Naglerhanſens Schwäger, dann der Ringlichaſper und der krumm' Heiri, jeder mit ſeinen Leuten.
Unter einer der Schirmtannen brannte das wohlgenährte Lagerfeuer und über demſelben hing ein Keſſel, in welchem Schinken, Speck und Würſte brodelten. Daneben waren einige „Gojen“*) emſig beſchäftigt, allerlei Küchlein in der ziſchen⸗ den Butter zu backen, die ſie dann auf dem grünen Raſen
*)„Gojen“, Weiber.


