Teil eines Werkes 
1./2. Th. (1844)
Entstehung
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derbten und verderbenden Bewohner ſchon f pel Lippen 4 hatteſt, er wird ſich bald verwandeln in Worte des tiefſten Mitleids, wenn Du erfährſt, daß der nagende Hunger ein ſchönes Mädchen zur Buhldirne machte, und daß die Jäm⸗ nrerlichkeit der Verhältniſſe denſſtrebenden Geiſt eines Man⸗ nes auf Gaunereien hinwandte, der vielleicht, in einer andern Zeit und an den paſſenden Ort geſtellt, Großes für die Geſellſchaft geleiſtet haben würde. Von dieſem Standpunkt iſt es höchſt intereſſant und ergebnißreich, merkwürdige Verbrechen zu betrachten. Nicht als verdamnungswürdige, unbegreifliche Sünder ſoll man diejenigen anſehen, welche die hergebrachte Ordnung ge⸗ - waltſam zerreißen, ſondern als die bedauernswerthen Opfer, welche die menſchliche Natur verkehrten Verhältniſſen dar⸗ bringt. Auch das Verbrechen hat ein gewiſſes Recht, weil der Egvismus berechtigt iſt, und nur dies iſt die intereſſante Seite bedeutender Criminalgeſchichten, daß wir in ihnen einen Geiſt erblicken, der es nicht auszuhalten vermochte innerhalb der geſetzlichen Schranken und der im tragiſchen Ringen gegen die Tradition eine ſtaunenswerthe Kraft ent⸗ wickelt, bis er endlich von ihr zermalmt wird. So Man⸗ ches, was heute ein Verbrechen iſt, wird von der Zukunft zu einer Heldenthat umgeſtempelt! Denn das Verbrechen iſt ja eine Dialektik des Geſetzes.

Dies, glaube ich, wird genügen, Titel und Abſicht

dieſer Sammlung zu verdeutlichen.

W. Jordan.