David Kopperfield. 129
„— daß ich wirklich,“ ſagte Mr. Wickfield mit einem hülfloſen und peinvoll verzweifelten Blicke auf ſeinen Geſchäftstheilhaber,„daß ich ſie wirklich im Verdachte hatte; daß ich dachte, ſie fehle in ihrer Pflicht gegen Sie; und daß ich's, wenn ich denn Alles ſagen muß, wirklich manchmal mit Widerwillen bemerkte, wie Agnes in einem ſo vertrauten Verhältniſſe zu ihr ſtand, wenn ich ſah, was ich ſah oder in meiner krankhaften Theorie zu ſehen meinte. Ich habe dies nie gegen irgend Je⸗ mand erwähnt. Ich dachte nie, daß es irgend Jemand bekannt werden würde. Und obſchon es für Sie ſchreck⸗ lich anzuhören ſein muß,“ ſagte Mr. Wickfield ganz nie⸗ dergebeugt,„wenn Sie wüßten, wie ſchrecklich es mir iſt, es Ihnen zu erzählen, ſo würden Sie Mitleid mit mir fühlen.“
Der Doctor ſtreckte in der vollendeten Güte ſeiner Natur ſeine Hand aus. Mr. Wickfield hielt ſie ein Weilchen in der ſeinigen, wobei er ſeinen Kopf nieder⸗ hängen ließ..
„Gewißlich,“ verſetzte Uriah, indem er ſich in das herrſchende Schweigen wie ein elektriſcher Aal hineinwand und ſchlenkerte,„iſt dies ein Gegenſtand voll unange⸗ nehme Gefühle für Jedermann. Aber da wir nun ein Mal ſo weit gegangen ſind, muß ich mir die Freiheit nehmen und erwähnen, daß es auch Kopperfield be⸗ merkt hat.“
Ich wandte mich zu ihm und fragte ihn, wie er's wagen könnte, ſich auf mich zu beziehen.
„Oh!'s iſt ſehr freundlich von Sie, Kopperfield,“ 65 erwiederte Uriah, indem er über und über ganz Win⸗ dung und Geſchlängel war,„und wir Alle wiſſen, was Sie für'nen liebenswürdigen Charakter haben; aber Sie wiſſen, daß Sie, als ich neulich Aüend zu Ihnen David Kopperfield. VII


