Teil eines Werkes 
7. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 111

alle meine Kräfte nur auf einen Gegenſtand auf ein Mal zu concentriren, ohne Rückſicht auf die Schnellig⸗ keit, mit welcher der auf denſelben folgende gleich hin⸗ ter ihm käme Gewohnheiten und Entſchlüſſe, die ſich damals in mir ausbildeten. Der Himmel weiß, daß ich dies nicht in der Abſicht, mich ſelbſt zu loben, ſchreibe. Der Mann, welcher, wie ich hier ſein Leben Blatt für Blatt durchgeht, müßte in der That ein guter Mann geweſen ſein, wenn er verſchont bleiben wollte von ſchar⸗ fen Gewiſſensbiſſen darüber, daß er mancherlei Talente vernachläſſigt, mancherlei Gelegenheiten zum Guten ver⸗ abſäumt, mancherlei irrige und verkehrte Gefühle in ſich gehegt hat, die in ſtetem Kampfe in ſeiner Bruſt ge⸗ rungen und ſein beſſeres Selbſt beſtegt haben. Ich möchte ſagen, daß ich nicht eine einzige natürliche Gabe beſitze, welche ich nicht gemißbraucht habe. Meine Meinung iſt einfach die, daß ich Alles, was ich je im Leben ver⸗ ſucht habe, von ganzer Seele gut zu thun geſtrebt; daß ich mich Allem, dem ich mich je gewidmet, ganz ge⸗ widmet habe; daß ich's bei großen wie bei kleinen Be⸗ ſtrebungen ſtets durch und durch ernſt gemeint habe. Ich habe es nie für möglich gehalten, daß irgend eine angeborene oder erworbene Fähigkeit auf Befreiung von der Gemeinſchaft mit den Eigenſchaften der Ausdauer, der Aufrichtigkeit, des angeſtrengten Fleißes Anſpruch machen und dabei hoffen kann, ihr Ziel zu erreichen. Es giebt nichts, was dieſer Erfüllung der Seele auf Erden gleichkäme. Einiges glückliche Talent und eine paſſende Gelegenheit mögen die beiden Seiten der Lei⸗ ter bilden, auf welcher manche Leute emporkommen; aber die Sproſſen dieſer Leiter müſſen von einem Stoffe, der aller Abnutzung widerſteht, gemacht ſein, und da giebt es nichts, was einen kühnen Muth, der durch Dick