160 David Kopperfield.
„Meine Liebe,“ entgegnete ich,„ich habe zu ar⸗ beiten.“ i
„Nun, ſo thu's doch nicht,“ erwiederte Dora; „warum ſollteſt Du es?“
Es war unmöglich, zu dieſem holden, verwunder⸗ ten Geſichtchen anders als leichthin und ſcherzhaft zu ſa⸗ gen, daß wir arbeiten müßten, um zu leben.
„Oh! Wie lächerlich!“ rief Dora aus.
„Wie werden wir ohne zu arbeiten leben, Dora?“ fragte ich.
„Wie? Nun irgendwie,“ entgegnete Dora.
Sie ſchien zu denken, daß ſie damit die Frage völ⸗ lig beigelegt hätte und gab mir ſolch ein triumphiren⸗ des Küßchen geradewegs von ihrem unſchuldigen Her⸗ zen, daß ich ihr nicht um ein Vermögen ihren Stolz genommen haben könnte.
Nun denn, ich liebte ſie und fuhr fort, ſie zu lie⸗ ben, über Alles, über und über und ganz und gar.
Da ich aber auch mit ziemlich fleißigem Arbeiten fort⸗
fuhr und geſchäftig alle die Eiſen glühend erhielt, die ich jetzt im Feuer hatte, pflegte ich oft des Nachts meiner Tante gegenüber zu ſitzen, und nachzudenken, wie ich damals Dora erſchreckt, und wie ich am Beſten meiner Straße mit einem Guitarrenfutteral durch den Wald der Schwierigkeiten ziehen könnte, bis ich mir endlich einbildete, daß mein Kopf ganz grau würde.
Ende des ſechsten Theils.
Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
1


