228 niß eigens mit reiner Wäſche verſehen. Natürlich waren meine Kleider unbequem. Wahrſcheinlich hat jedes neue, eifrig erſehnte Kleid, ſeitdem man überhaupt welche trägt, die Erwartungen des Inhabers etwas getäuſcht. Nachdem ich aber den neuen Anzug in einer halben Stunde angelegt und in Herrn Pumblechook's nicht allzu großem Spiegel mich vergeblich nach den verſchiedenſten Poſituren bemüht hatte, meine Beine zu ſehen, ſchien es mir beſſer zu paſſen. Da in einer Nachbarſtadt, einige zehn Stunden weit, gerade Markttag war, ſo war Herr Pumblechook nicht zu Hauſe. Ich hatte ihm von meiner Abreiſe keine beſtimmte Nachricht gegeben und hätte alſo wahrſcheinlich keinen Abſchied von ihm genommen. Damit war ich ſchon zufrieden und ging in meinem neuen Putz aus; ich ſchämte mich am Ladendiener vorbeigehen zu müſſen und traute mir nicht recht, ob ich nicht am Ende doch etwa, ſo wie Joſeph in ſeinem Sonn⸗ tagsputze ausſähe.
Ich ging auf Umwege durch Seitengäßchen zu Fräulein Havisham, und ſchellte mit Mühe, da die Finger meiner Handſchuhe ſehr ſteif waren. Sarah Pocket kam an das Thor und ſtürzte rückwärts, als ſie mich ſo verändert ſah, ihr Wallnußſchalgeſicht wurde grün und gelb.
„Sie,“ ſagte ſie,„Sie, mein lieber Himmel, was wün⸗ ſchen Sie?“
„Ich reiſe nach London, Fräulein Pocket und wollte mich bei Fräulein Havisham verabſchieden.“
Ich war nicht erwartet, denn ſie ließ mich eingeſchloſſen auf dem Hofe, und ging ſich zu erkundigen, ob ich zuge⸗ laſſen werden ſolle. Nach kurzem Aufenthalt kam ſie


