30 Oliver Twiſt.
genthümer folgte. Dann ſollte der Hausknecht dem Pferde die Zügel laſſen, aber daſſelbe machte einen ſehr ſchlech⸗
ten Gebrauch davon; es warf ſehr verächtlich den Kopf
in die Höhe und raunnte mit demſelben einige Fenſter⸗ ſcheiben ein. Nachdem es dieſe Heldenthaten vollbracht und einige Augenblicke auf den Hinterbeinen geſtanden hatte, ſchoß es in Galop davon und raſſelte mit dem Wagen aus der Stadt hinaus.
Die Nacht war ſehr dunkel; von dem Fluſſe und dem ſumpfigen Boden umher ſtieg ein feuchter Nebel auf und breitete ſich über die öden Felder aus. Dazu war es ſchneidend kalt. Es wurde kein Wort geſprochen, denn der Inhaber des Wagens war ſchläfrig geworden und Sikes nicht in der Stimmung, ihn zu einem Geſpräche zu veranlaſſen. Oliver hatte ſich in eine Ecke des Wa⸗ gens gedrückt und ſah in ſeiner Augſt ſeltſame Geſtalten in den mächtigen Bäumen, deren Zweige ſich hin⸗ und herwiegten, als freueten ſie ſich über die Oede umher.
Als ſie vor der Kirche in Sunbury vorbeikamen, ſchlug die Uhr ſieben. In dem Fährhauſe gegenüber war ein Licht, das ſeinen Schein über den Weg herüberwarf und den Schatten eines Eichenbaumes, unter welchem ſich Gräber befanden, noch dunkeler machte. Nicht weit hin hürke man das Waſſer rauſchen, und die Blätter des
alten Baumes regten ſich leiſe in dem Nachtwinde, wie
feierliche leiſe Muſik für die Ruhe der Todten.
Sie fuhren durch Sunbury und gelangten wieder auf die einſame Straße. Nach ein Paar weitern Meilen hielt der Wagen an. Sikes ſtieg ab, nahm Oliver bei der Hand und ging mit ihm weiter.
Sie kehrten in keinem Hauſe in Shepperton ein, wie es der müde Knabe erwartet hatte, ſondern ſchritten im⸗ mer weiter in Schmutz und Dunkel über kalte freie


