Oliver Twiſt. 7
»Nicht durch Tobias Crackit? Bedenke nur, es ſi nd Frauenzimmer.«
»Auch nicht durch Tobias Crackit. Er ſagte mir, er habe einen falſchen Backenbart und eine gelbe Weſte ge⸗ tragen, ſo lange er ſich dort aufgehalten, aber vergebens.⸗
»Er hätte es mit einem Schnurrbarte und Militair⸗ hoſen verſuchen ſollen.«
„Das that er auch; es half ihm aber auch nichts.«⸗
Der Jude ließ nach dieſer Nachricht ſein langes Kinn auf die Bruſt ſinken, dachte einige Augenblicke nach und ſagte dann mit einem tiefen Seufzer, wenn Tobias Crackit recht berichtet habe, ſo müſſe man die Sache wohl auf⸗ geben.»Aber,« ſetzte der Alte hinzu, indem er die Hände auf die Kniee ſinken ließ,»es iſt traurig, ſo viel zu ver⸗ lieren, wenn man ſein Herz daran gehangen hat.«
„Freilich. Es iſt ein Unglück.«
Es folgte eine lange Pauſe, während welcher der Jude in tiefe Gedanken verſunken zu ſein ſchien und ſein Ge⸗ ſicht einen wahrhaft teufliſchen Ausdruck annahm. Sikes ſah ihn bisweilen von der Seite an, und Aennchen, die offenbar den Räuber zu reizen fürchtete, ſaß da, die Au⸗ gen auf das Feuer gerichtet, als ſei ſie taub gegen Alles, was um ſie her vorging.
„»Fagin,« unterbrach Sikes endlich plötzlich das Schwei⸗ gen, viſt es funfzig Goldſtücke mehr werth, wenn es ſicher von außen geſchehen kann?«
»Ja,« antwortete der Jude, ber wie aus einem Traume auffuhr.
»Gilt der Handel?« fragte Sikes.
„Ja, Freund, ja,« entgegnete der Jude, indem er des Andern Hand ergriff, ſeine Augen funkelten und jeder Muskel ſeines Geſichtes die Begierde zeigts, welche dieſe Frage in mühm geweckt hatte.


