Mütterchen. 21
„Da ich Sie zurückbringe,“ das Wort„heim“ ſchnitt ihm ins Herz,„ſo geſtatten Sie mir die Bitte, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß Sie noch einen andern Freund haben. Ich mache keine Anſprüche und ſage nicht mehr.“
„Sie ſind wahrhaft gütig gegen mich, Sir. Wahrlich, ich bedarf nichts mehr.“
Sie gingen zurück durch die elenden ſchmutzigen Straßen und zwiſchen den ärmlichen und erbärmlichen Kramladen hin und wurden herumgeſtoßen von dem Haufen ſchmutziger Höker, welche Zubehör eines armen Stadttheils ſind. Es war nichts auf dem kurzen Wege, was auch nur einem der fünf Sinne angenehm geweſen wäre. Und doch war es für Clennam, indem er dieſes kleine, zarte, ſtets für das Wohl ihrer Um⸗ gebung ſorgende Weſen an ſeinem Arme hatte, kein ge⸗ wöhnlicher Gang durch gewöhnlichen Regen und Schmutz und Lärm. Wie jung ſie ihm, und wie alt er ihr, oder welch Geheimniß das Eine dem Andern zu ſein ſchien bei dieſem Beginn der vom Schickſal beſtimmten Verwebung ih⸗ rer beiderſeitigen Lebensgeſchichte, geht uns hier nichts an. Er dachte, wie ſie geboren und erzogen worden unter dieſen Scenen, wie ſie jetzt ſcheu durch ſie hindurchſchritt, wohlbe⸗ kannt mit ihnen und doch nicht zu ihnen gehörig; er dachte an ihre lange Bekanntſchaft mit der unſaubern Nothdurft des Lebens und an die Unſchuld, die ſie inmitten derſelben bewahrt, an ihr altgewohntes Sorgen für Andere und an ihre wenigen Jahre und ihr kindliches Ausſehen.
Sie waren nach Highſtreet gelangt, wo das Gefängniß


