— 6— ¹ gewirrtes Seegras ihm ums Geſicht hing— als wäre er ſein gan⸗ zes Leben lang wie ein öder Fels umſpült worden von den to⸗ ſenden Wellen der Menſchheit— der mußte gewiß ſagen: Er ſieht aus wie ein verwünſchter Mann.
Wer ſeine Art beobachtete, ſchweigſam, nachdenklich, düſter, immer zurückhaltend und nie fröhlich, mit der zerſtreuten Miene eines Mannes, der an Zeiten und Orte von ehedem denkt oder auf Klänge aus alten Zeiten in ſeinem Innern lauſcht, hätte der nicht ſagen müſſen: ſeine Art iſt die eines Verwünſchten?
Wer ſeine Stimme vernahm, langſam, tief und ernſt, mit einer natürlichen Fülle und Melodie, die er beſtändig zu unter⸗ drücken bemüht zu ſein ſchien, mußte der nicht ſagen: das iſt die Stimme eines Verwünſchten?
Wer ihn ſah in ſeinem Studirzimmer, halb Bibliothek und halb Laboratorium— denn er war ein Chemiker von Weltruf und als Lehrer ein Mann, an deſſen Lippen täglich Hunderte von Wißbegierigen hingen— wer ihn dort ſah in einer ſtillen Winter⸗ nacht und umgeben von ſeinen Flaſchen und Inſtrumenten und Büchern; der Schatten ſeiner überſchirmten Lampe ein rieſengroßer
Käfer an der Wand, bewegungslos unter einer Menge geſpen⸗
ſtiger Geſtalten, welche das Flackern des Feuers auf den ſeltſamge⸗ formten und fremdartig ausſehenden Inſtrumenten um ihn bildete; einige dieſer Phantome(Schatten von Gläſern mit Flüſſigkei⸗ ten) im Herzen zitternd, wie Dinge, welche ſeine Macht kannten, ſie zu zerſetzen und ihre Beſtandtheile dem Feuer und dem Rauch wiederzugeben;— wer ihn dort ſah nach gethaner Arbeit, wie er nachdenklich daſaß vor dem rothflackernden Feuer, die ſchmalen
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