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Für den Fall eines Ueberfalls von Seiten der Mrs. Mac Stinger träumte ſich der Capitain nie die Möglichkeit, daß er widerſtehen könnte. Er fühlte, daß dies nicht geſchehen könnte. Er ſah ſich ſchon im Geiſte widerſtandlos in einen Fiaker geſteckt und in ſeine alte Wohnung entführt. Er wußte, daß, wenn er erſt dort gefangen ſei, er verloren war: ſein Hut fort; Mrs. Mac Stinger Tag und Nacht ihn bewachend; er ſelbſt von der kleinen Familie mit Vorwürfen überhäuft und der ſchuldige Gegenſtand von Verdacht und Mißtrauen, ein Oger in den Augen der Kinder und in denen der Mutter ein ertappter Verräther.
Sobald dieſes düſtere Bild dem Capitain vor die Phantaſie trat, litt er an einem heftigen Schweiß und an einer großen Nie⸗ dergeſchlagenheit. Gewöhnlich geſchah dies, wenn er ſich eines
Spazierganges wegen Abends aus dem Hauſe ſtahl. Im Be⸗
wußtſein der Gefahr, der er ſich ausſetzte, nahm der Capitain von
Rob Abſchied mit einer Feierlichkeit, wie ſie einem Mann geziemte,
der vielleicht nie wiederkehrte, und ermahnte ihn, im Falle er (der Capitain) verſchwinden ſollte, auf dem Pfade der Tugend zu bleiben und die Meſſinginſtrumente gut polirt zu erhalten. Aber um ſich im ſchlimmſten Falle ein Mittel zu ſichern, mit der Außenwelt in Verbindung zu bleiben, kam Capitain Cuttle bald auf den glücklichen Einfall, Rob dem Scheerenſchleifer ein geheimes Signal zu lehren, durch welches derſelbe in der Stunde der Trübſal ſeinem Herrn ſeine Anweſenheit und Treue kundge⸗ ben konnte. Nach vielem Nachdenken entſchloß ſich der Capitain, ihn das Matroſenlied„Hurrah, hurrah, hurrah!“ pfeifen zu leh⸗ ren, und da Rob der Scheerenſchleifer darin ſo viel leiſtete, als


