177
der Hand nach rechts und links und zog ſich wieder zurück.
Aber die Rückſichtsloſigkeit der Maſſen forderte mehr, ſie forderte eine Wiederholung des gefährlichen Experimentes, achtete nicht der Müdigkeit der Künſtlerin, dachte nicht an Gefahr und glaubte ihr am Ende durch ſolches Verlangen nur den größten Beweis allgemeiner Sympathie zu geben.
Es iſt ein eigenthümliches Schauſpiel, dieſe Menge in ſolchen Momenten der Nervenaufregung zu be⸗ obachten. Je gefährlicher eine Situation iſt, deſto an⸗ regender wirkt ſie auf das Publikum. Der Menſch in ſeiner incarnirten Grauſamkeit, in der fiebernden Er⸗ wartung eines ungewohnten CEreigniſſes, ſcheint das Menſchliche im Menſchen dann ganz zu vergeſſen und er achtet nicht der Gefahr wie der Ermüdung, in wel⸗ cher ſich ein Mitgeſchöpf befindet, welches ihm dieſes Schauſpiel bieten ſoll.
Mit Abſcheu ſehen wir zurück auf jene Zeiten, als das römiſche Volk mit barbariſcher Freude die
blutgetränkte Arena füllte, um dem ſterbenden Fechter
nach empfangener Todeswunde zu applaudiren, um den wilden Thieren der Wüſte zuzujubeln, unter deren Tatzen ſich die Bekenner einer reineren Gotteslehre
wanden, mit Entſetzen gedenken wir der Torquemadas' Creſſieux, Die Kunſtreiterin. III. 4 42


