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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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mir die Liturgie feierlicher, denn meines Vaters Stimme hatte eine Fülle und ein Pathos, welche wunderbar für dieſe Gelegenheit paßten. Sodann fühlte er auch, was er las, was nicht immer der Fall iſt, ſelbſt wenn Geiſtliche funktioniren; denn nicht nur war General Littlepage ein genauer Freund des Verſtorbenen, ſon⸗ dern er war auch ein frommer Chriſt. Ich fühlte ein Pochen des Herzens, als ich das Fallen der erſten Erdſchollen auf den Sarg Kettenträgers hörte; aber die Ueberlegung führte wieder friedliche Ruhe in's Herz zurück, und von dieſem Augenblick an wurde mir Dus, ſo zu ſagen, doppelt theuer. Es war mir, als ob alle Liebe und Sorge ihres Oheims für ſie auf mich übergegangen, und ich hinfort ſein Vertreter bei ſeiner geliebten Nichte wäre. Während der ganzen Ceremonie hörte ich kein Schluchzen von Dus. Ich wußte, daß ſie weinte, und bitterlich weinte; aber ihre Selbſt⸗ beherrſchung war ſo groß, daß ſie jede ungebührliche Aeußerung ihres Schmerzes in Gegenwart von Andern zurückhielt. Wir blie⸗ ben Alle am Grabe ſtehen, bis Jaap es mit großem Geſchick wieder geſchloſſen und gewölbt, und es wieder mit dem Raſen zugedeckt hatte. Dann formirte ſich der Zug wieder, und wir begleiteten Frank und Dus an die Thüre des Hauſes, worauf ſie hineinging und uns draußen ließ. Priscilla Bayard jedoch ſchlüpfte ihrer Freundin nach, und ich ſah ſie durch das Fenſter des Geſellſchafts⸗ zimmers, beim Licht des Feuers drinnen, einander in die Arme ſchließen. Im nächſten Augenblick zogen ſie ſich mit einander in das kleine Zimmer zurück, welches Dus ſich zu ihrem beſondern Gebrauch eingerichtet hatte.

Jetzt erſt umarmte ich die Meinigen, und wurde von ihnen um⸗ armt. Meine Mutter hielt mich lange mit ihren Armen umſchloſſen, nannte mich:Lieber, lieber Junge! und befeuchtete mein Geſicht mit ihren Thränen. Kate machte es ſo ziemlich ebenſo, doch ſagte ſie nichts. Die Umarmung Anneke'ns, meiner lieben Schweſter Kettletas, war ganz in ihrer Art, ſanft, aufrichtig und warm.