157
Anſpruch nehmen, außer derjenigen, welche er ſchon abgegeben hatte; aber da kannte ich meinen Mann nicht. Mr. Newcome vermied allen Schein perſönlicher Anmaßung; Majoritäten waren ſein Cardinalgeſetz und Majoritäten allein wollte er die Entſchei⸗ dung übertragen. Wenn er regieren wollte, ſo war es mittelſt Majoritäten. Die Ausübung einer zufällig übertragenen Macht wie die eines vorſitzenden Beamten konnte Aerger, Ingrimm und Neid erregen; aber Derjenige, der ſich auf eine Majorität ſtützte, durfte gewiß ſein, das Gewicht der öffentlichen Sympathie auf ſeiner Seite zu haben. Nein— nein— Mr. Newcome hatte nie eine Meinung, die der der Mehrzahl zuwider lief.
Mit Leidweſen muß ich es ſagen, daß ſehr irrige Begriffe von der Macht der Majoritäten unter uns Wurzel zu ſchlagen an⸗ fangen. Es iſt etwas ganz Gewöhnliches, als ein politiſches Ariom die Behauptung aufſtellen zu hören: die Majorität müſſe herrſchen! Dieſes Ariom mag unſchuldig genug ſein, wenn die Anwendung in gehöriger Weiſe geſchieht; das heißt einfach: in der Beaufſichtigung und Leitung derjenigen Intereſſen, bei welchen die Entſcheidung Majoritäten zugewieſen iſt, müſſen Majoritäten herrſchen; aber Gott verhüte, daß je Majoritäten in allen Dingen entſcheiden und herrſchen, in dieſer Republik oder ſonſt irgendwo! Ein ſolcher Zu⸗ ſtand würde bald unerträglich werden und die Regierung, welche ihn duldete, zur gehäſſigſten Tyrannei machen, die man in der Chriſtenheit in der neueren Zeit gekannt hat. Die Regierung dieſes Landes beſteht in der Geltung und Herrſchaft gewiſſer großen und unbeſtreitbaren Grundſätze, welche an ſich ſelbſt gerecht ſind, in den verſchiedenen Conſtitutionen an die Spitze geſtellt werden, und unter deren Vorausſetzung und Geltung gewiſſe geringere Fragen, wie dieß nothwendig iſt, von Zeit zu Zeit der Entſcheidung lokaler Majoritäten überlaſſen werden; und aus den häufigen Vor⸗ kommen dieſer Berufungen an Majoritäten hat ſich ein Irrthum entwickelt, der nachgerade eine gefährliche Verbreitung gewinnt.


