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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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ſolchen Perſon gehört? rief ich, etwas unbedachtſam, aus, da doch die Welt ſicherlich groß genug iſt, daß zwei junge Frauen⸗ zimmer in ihr mit einander bekannt ſein konnten, ohne meine Zu⸗ ſtimmung und mein Vorwiſſen; zumal da ich die Eine noch gar nie, und die Andere ſeit vierzehn Tagen zum erſten Mal geſehen hatte.Der alte Andries ſprach mir immer von ſeiner Nichte; aber ich konnte nimmermehr vermuthen, daß ſie eine Bekannte einer Dame von Eurer Stellung im Leben ſei!

Trotzdem waren wir mehr als nur Schulkamerädinnen denn wir waren und ich hoffe, wir ſind noch ſehr, ſehr gute Freundinnen. Ich liebe Dus außerordentlich, obgleich ſie eben ſo eigen und ſeltſam in ihrer Art iſt, als ihr Oheim, nach den Beſchreibungen, die man mir von ihm gemacht hat, in der ſei⸗ nigen ſein muß.

Das iſt ſonderbar! Wollt Ihr mir Eine Frage geſtatten? Ihr werdet ſie vielleicht ſonderbar finden nach dem, was Ihr mir ſo eben geſagt habt aber die Neugier trägt den Sieg über meine gute Lebensart davon iſt Dus Malbone eine Lady, die ebenbürtige Geſellſchafterin einer jungen Dame wie Miß Priscilla Bayard?..

Das iſt eine Frage, die ſich vielleicht nicht ſo leicht be⸗ antworten läßt; denn in manchen Beziehungen ſteht ſie weit über allen jungen Frauenzimmern, die ich kenne. Ihre Familie war, wie ich immer gehört, eine ſehr gute von beiden Seiten; ſie iſt jetzt arm, arm fürchte ich bis zum Mangel! Hier hielt Priscilla inne; ihre Stimme zitterte, und ich ſah ihr die Thrä⸗ nen in's Auge treten.Die arme Dus! fuhr ſie fortſie hatte viel zu ertragen, was die Armuth betrifft, ſelbſt ſchon in der Schule, wo ſie in der That mehr wie eine aus Gnaden Unterhaltene, denn als eine Penſionärin war; aber Keine von uns Allen wagte, ihr Etwas anzubieten. Ich ſcheute mich ſogar, ſie zu bitten, ein Band von mir anzunehmen, was zu thun ich