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obwohl ich immer noch bei ihr die Zeichen eines Intereſſes be⸗
merkte, welches mir ganz unerklärlich war. Kate bemerkte dieß wahrſcheinlich auch, denn ſie fuhr fort, von meiner Reiſe zu ſpre⸗ chen, auch nachdem ihre Freundin ſich etwas zurückgezogen hatte; und das in einer Weiſe, welche zu verrathen ſchien, ſie habe ausgeſprochen. 3
„Wer iſt denn der ſeltſame alte Mann, von dem ich Euch ſprechen gehört habe, Mordaunt,“ fragte meine Schweſter,„und mit welchem Ihr in neuerer Zeit in einem Briefwechſel geſtanden ſeid wegen dieſer Ländereien?“
„Ich vermuthe, Ihr meint meinen früheren Kameraden, den „Kettenträger“. Er war ein Kapitän in unſerem Regiment, mit Namen Coejemans, der dieſen Namen führt, uund welcher den Ver⸗ trag abgeſchloſſen hat, für die nöthigen Vermeſſungen Sorge zu tragen, obgleich er ſelbſt den beſcheidenen Poſten eines Meßketten⸗ trägers bekleidet, da er nicht im Stande iſt, die Berechnungen zu machen.“
„Wie kann denn aber ein einfacher Kettenträger einen Ver⸗ trag abſchließen über eine ganze Vermeſſung?“ fragte Tom Bayard, der auch zur Geſellſchaft getreten war, und das Geſpräch mit an⸗ gehört hatte.„Die Meßkettenträger ſind in der Regel nur gemeine Arbeiter, und ganz ohne alle Verantwortlichkeit.“
„Das iſt der allgemeinen Regel nach wahr; aber mein alter Freund macht eine Ausnahme. Er wollte Landesvermeſſer wer⸗ den, aber da er keinen Kopf hatte für die Sinus, Coſinus und. Tangenden, ſah er ſich genöthigt, ſeine Anſprüche herabzuſtim⸗ men und ſich mit der beſcheidenen Obliegenheit zu begnügen, die er jetzt erfüllt. Doch hat er ſchon lange Zeit Contrakte über ſolche Geſchäfte übernommen, und er bekommt ſo viele, als er ausführen kann, und miethet dann ſelbſt die Vermeſſer, da die Eigenthümer von Ländereien das unbedingteſte Vertrauen zu ſeinen Vermeſſungen haben. Laßt mich Euch ſagen, der Mann,


