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Der Spion : eine amerikanische Erzählung aus dem Jahre 1780 / von J. F. Cooper. Nach der von dem Verfasser durchges., verb., mit einem neuen Vorw. und mit Noten begleiteten Ausg. übertr. von C. Kolb
Entstehung
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John! lieber John! ſagte der Doktor zärtlich, während er ſich

über den Dragoner beugte und das regungsloſe Handgelenk befühlte, dann aber erſchreckt vor der Ahnung der Wahrheit zurückbebte.

John, lieber John! Wo ſind Sie verwundet? Kann ich Ihnen helfen?

Sie ſprechen zu einem erſtarrten Erdenklos, ſagte Betty, und ihr Körper ſchauderte, während ihre Hände unwillkührlich in den Rabenlocken des Reiters ſpielten.Er will nichts mehr hören und kümmert ſich wenig um Ihre Sonden und Arzneien. O Elend über Elend! Was wird jetzt aus der Freiheit werden? Wer wird jetzt die Schlachten kämpfen und den Sieg gewinnen?

John! wiederholte der Wundarzt, der ſeinen eigenen Sinnen nicht trauen wollte,lieber John, nur ein Wörtchen; ſey es, was es will, nur ein Wörtchen. O Gott, er iſt todt! Wäre ich doch lieber mit ihm geſtorben!

Was hilft nun alles Leben und Fechten? ſagte Betty;es iſt jetzt mit beiden zu Ende, mit ihm und ſeinem Thier! Sehen Sie, dort liegt das arme Geſchöpf und hier iſt der Herr! Ich habe das Pferd noch heute mit meinen eigenen Händen gefüttert, und er hat das letztemal aus meiner Küche gegeſſen. Ach Jammer über Jammer! daß Kapitän Jack leben mußte, um von den Reg'lern getödtet zu werden!

John! mein theurer John! rief der Wundarzt mit krampf⸗ haftem Schluchzen;Deine Stunde iſt gekommen, und mancher klügere Mann hat Dich überlebt, aber keiner, der beſſer und tapferer war, als Du. O John! Du warſt mir ein wohlwollender und lieber Freund. Es iſt zwar nicht philoſophiſch, ſich dem Schmerze hinzugeben; aber um Dich, John, muß ich weinen. Ach wie ſchwer, wie bitter ſchwer iſt mir's um's Herz!

Der Doktor bedeckte ſein Geſicht mit den Händen, überließ ſich einige Minuten dem ungehemmten Ausbruch ſeiner Gefühle, während die Waſchfrau ihrem Jammer durch Worte Luft machte.