Jahrgang 
5 (1851)
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24 Der Orang-Aang.

Er ging eine Zeit lang ſchweigend neben mir her.

Mag es ſein, was da will, ſagte er dann. Ich gehe.

Usd ich begleite Dich, ſagte ich. Aber ich wollte Dir nur rathen, vorſichtig zu ſein.

Mit Deiner ewigen Vorſicht! murmelte er vor ſich bin.

Wir waren jetzt am Rande der Bucht an gelangt. Eine Laterne bezeichnete die Stelle, wo das Boot lag, das uns erwartete, um uns nach derSchwalbe zu führen. Wir hatten jedoch keine Zeit, das Fahrzeug aufzuſuchen, wenn wir zur rechten Zeit am Orte des Ren⸗ dezvous ſein wollten.

Jack und Lucky, ſagte George, Ihr wer⸗ det hier warten, bis wir zurückkommen!

Wollen Sie nicht nach derSchwalbe, Maſter? fragte Jack.

Nein, jetzt noch nicht! antwortete George kurz. Hole mir meine Piſtolen und mein Meſ⸗ ſer aus dem Boot!

Ich gab Jack denſelben Auftrag. Aber Lucky war ihm ſchon vorausgeeilt und brachte die Waffen für mich und ſeinen Herrn.

Laſſen Sie ſich nur nicht mit dieſen ver⸗ wünſchten Spanierinnen ein, Maſter! ſagte Jack mit ſeinem gewöhnlichen trockenen Ton.

George lachte laut auf und ich ſtimmte mit ein.

Sei unbeſorgt, alte Theerjacke, ſagte er dann. Sie haben Reſpekt vor uns!

Wer weiß! brummte Jack vor ſich hin. Sie haben Reſpekt vor dem Teufel! Ich werde mit Ihnen gehen, Maſter..

Nein, rief George entſchieden, Ihr bleib Alle hier! Daß Keiner ſich rührt!

Jack ſchwieg. Wir prüften die Schlöſſer an unſern Piſtolen und gingen dann zurück nach dem Hauſe des Don Gonzalez.

Ich will ehe wir dort anlangen kurz erwähnen, wie wir hierher gekommen. Von Ceylan aus hatten wir, durch den Südweſt⸗ Muſſon begünſtigt, bald die großen Sunda⸗ Inſeln erreicht. Aber obgleich mit der größten Herzlichkeit auf Java und Sumatra empfangen,

hatte es uns dort doch nicht recht behagen wol⸗ len. George ſagte, daß er Sehnſucht nach den Phillippinen empfinde. Er hatte Empfehlungs⸗ ſchreiben an Don Gonzalez, einen der reichſten Beſitzer anf Mindanao, deſſen Frau eine Ver⸗ wandte des jetzigen Beſitzers der Plantagen George Lacadie's in Louiſiana geweſen war.

George meinte, er verſpreche ſich mehr Abwech⸗

ſelung und Abenteuer bei den Spaniern, und wie es ſchien, hatte ihn ſeine Vermuthung nicht getäuſcht. Wir befanden uns erſt ſeit wenigen Tagen auf Mindanao und bereits waren wir in eine Intrigue verwickelt, die nichts zu wün⸗ ſchen ließ.

Ich will hier auch zugleich andeuten, wie die Verhältniſſe während der letzten Monate ſich auf unſerem Schiffe geſtaltet. Sie waren im Ganzen dieſelben geblieben. Lorana's An⸗ weſenheit änderte nichts. Auf den Wunſch George's hatte ſie die arabiſche Kleidung an⸗ gelegt, die ihr vortrefflich ſtand. Auch lernte ſie ſehr bald die nothwendigſten engliſchen Worte, ſprach aber ſelten. Mit Lucky wohnte ſie in derſelben Kajüte, ohne daß wir jedoch eine grö⸗ ßere Vertraulichkeit zwiſchen Beiden bemerkten. Sie ſprachen ſogar ſelten zuſammen. Gegen George bewahrte ſie ihre ganze, ergebene und unterwürfige Haltung. Er nahm jedoch wenig Rückſicht auf ſie, und die Sorgfalt, die er ihr nichtsdeſtoweniger bewies, äußerte ſich nur in wenig auffälligen Dingen. Was er eigentlich mit Lorana beabſichtigte, darüber hatte ſich George mir gegenüber nie ausgeſprochen.

Lucky war ganz derſelbe geblieben, nur ſchien er ſich zu entwickeln, ſtärker und größer zu werden. George fand in ihm jederzeit denſel⸗ ben bereitwilligen, ſchnellen Diener. Was end⸗ lich Hopp anbetraf, ſo war er bald auf dem Schiffe mit Allem vertraut und ein Liebling der Matroſen, denen er tauſend Streiche ſpielte, dann aber auch wieder mit bewundernswerther Geſchicklichkeit bei vielen Dingen half. Die größte Zeit des Tages ſaß er auf den Raaen, ſelbſt bei ſtürmiſchem Wetter. Er verrichtete förmlich Matroſendienſte und verſtand ganz genau, was man ihm befahl. Ich konnte ihn