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Bibliothek waren in voller Grüne. Die Pflanze beſon⸗ ders, deren Blüthen das Erröthen von Annens Wange ſo gut nachgeahmt, prangte in der üppigen Fülle der erneuten Fruchtbarkeit, und ihre Gerüche ſtahlen ſich leiſe über die Sinne meiner jungen Frau und die meinigen hin, als wir allein daſaßen, im Genuß der heiligen Stille eines ſchönen Sommermorgens, im Genuß jenes köſtlichen Glücks, wie es ſich über die erſten Monate eines Paars verbreitet, wo die Herzen ſich gefunden.
Anna ſaß ſo nahe dem Fenſter, daß die Tinten des Roſenbuſches an ihrem fleckenloſen Gewande widerſtrahlten und ihrer ganzen Geſtalt den reizenden Anſtrich deſſen gaben, was die Dichter eine erröthende Braut nennen. Das ruhige Licht hatte ein ganzes Labyrinth von Anmuth zu durchdringen, ehe es auf ihre heitern Züge fiel, in denen jeder zarte Ausdruck von Glück ſprach, doch, wenn es nicht ein Widerſpruch wäre, nicht ganz ohne die Schat⸗ ten der Befürchtung. Nie war ſie lieblicher, ich hatte ſie nie ſo hingebend und zärtlich gefunden, als in dieſer halben Stunde; wir hatten ohne Rückhalt von der Ver⸗ gangenheit geſprochen, und Anna eben ſo getreu die auſ⸗ ſerordentliche Pein beſchrieben, womit ſie dem guten Geiſtlichen nachgegeben und den Brief geſchrieben, der mich ſo gänzlich niedergeworfen hatte.
„Ich hätte dich beſſer kennen ſollen, Liebe, dich einer ſolchen Handlung fähig zu halten,“ erwiederte ich auf eine ihrer ernſten Verſicherungen von Betrübniß und dlickte ihr gütig in jene Augen, die eben ſo ſehr die 19*


