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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Wir irren, Gertrud, wir vergeſſen die Ermahnungen unſers guten Vater Franziskus.

Gertrud brach in Thränen aus. Ermattet und kraft⸗ los fiel ſie, ohne zu antworten, das Haupt an die Schul⸗ ter ihres Geliebten legend, nieder.

So blieben Sie lange Zeit, indem ſich ihre Thränen miſchten, und wie Kinder gefühllos ſchluchzten, bis Ger⸗ trud, wie aus einem langen Traum erwachend, ihren Ge⸗ liebten ſanft von ſich ſtieß, und ſich an dem Betſtuhl niederlaſſend, im Himmel, zu dem ſich ihre reine Seele im Gebete erhob, einen Troſt ſuchte, den ſie an der Bruſt des Geliebten nicht gefunden hatte.

Ludwig betrachtete ſeine Gertrud mit Entzücken, und horchte auf das leiſe Gebet. Immer kam der Name ihres greiſen Vaters langſam und wehmüthig über des Mädchens Lippen. Der Junker ſank hinter ihr auf die Fnies, faltete die Hände und bat mit ihr für das Vater⸗ and.

Ludwig, wo biſt Du? rief Gertrud endlich, wäh⸗ rend ſie ſich verwundert in dem Zimmer umſah. Sie bemerkte den entzückten Jüngling, der ſie mit Liebes⸗ blicken anſah und ſtand auf. Langſam näherte ſie ſich ihm, und hob ihn vom Boden auf.

Nun, ſagte ſie,findeſt Du nicht, daß ein reines Gebet den Menſchen wie ein himmliſcher Balſam tröſtet?*

Ludwig ſtand verwundert über die plötzliche Verände⸗ rung, die er cuf des Mädchens Antlitz bemerkte.

Gertrud, ſprach er, ſich neben ſie ſetzend,in mei⸗ nem Entzücken habe ich den Himmel offen geſehen. Du warſt bei Gott als ein Engel.

Ja, gewiß, antwortete ſie lieblich lächelnd,ſo kann eine gotkesfurchtige Seele ſich immer mit Gott vereinigen; und da dem weltlichen Elend entrückt, einen Vorſchmack der himmliſchen Freude genießen. Dieſes Glück kennen Gottloſe nicht!

Der Jüngling horchte verwundert auf ſeine Geliebte,